Was muss man wissen?

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Die folgende Frage hat uns über dr@mafolution.de erreicht:

Lieber Dr. Mafolution,

ich bin Studentin (BWL & Marketing) und interessiere mich sehr für Marktforschung. Dort habe ich auch schon zwei Praktika gemacht, eines bei einem großen Institut und eines im Marketing ein Mittelstandsunternehmen.
Ich lerne zwar eine ganze Menge im Studium, aber irgendwie habe ich das Gefühl, nicht 100% gut vorbereitet auf meinen Einstieg in die Berufswelt zu sein. In ca. 1,5, Jahren mache ich meinen Abschluss und überlege gerade, welche Fähigkeiten ich mir noch aneignen sollte?

Hast Du da eine Idee?
Wo sollte ich mich noch besser qualifizieren? Was ist wichtig für meinen Berufseinstieg jenseits der Lehrstoffs der Uni?

Danke im Voraus für Deine Einschätzung und Deine Tipps?

Viele Grüße
P. aus G.

Liebe P.,

meine unmittelbare Antwort wird dich jetzt vielleicht enttäuschen. Ich glaube nämlich, dass es der falsche Anspruch ist, 100% gut vorbereitet sein zu wollen – zumindest, wenn Du vorhast, dich danach auf deinem Wissen auszuruhen. Gib dich lieber mit 90% zufrieden und bewahre dir stattdessen deine Offenheit und Neugierde. Wer meint, alles Nötige bereits zu wissen, kann diesen Job vermutlich nicht seriös ausführen.

Und damit zurück zu der Antwort, die Du dir eigentlich erhofft hast: welche 90% braucht man, um in der Berufswelt guten Gewissens loslegen zu können?

Da hätten wir zunächst das Grundlagenwissen, ohne das es als Marktforscher einfach gar nicht geht. An erster Stelle sind damit natürlich vor allem (sozial-)wissenschaftliche Arbeitstechniken und ein methodologisches Verständnis gemeint. Außerdem solltest Du einen guten Überblick über all die unterschiedlichen Methoden haben, um zu wissen, welche Herangehensweise am besten zur jeweiligen Fragestellung passt. Wer nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel – das sollte einem Forscher natürlich nicht passieren. Wer beim Grundlagenwissen Defizite hat, begeht dagegen mit hoher Wahrscheinlichkeit grobe handwerkliche Fehler.

Darauf aufbauend kannst Du im Studium bereits beginnen, erstes Expertenwissen aufzubauen, um dich später in einem Fachgebiet zu spezialisieren, z.B. in Hinblick auf eine Branche (z.B. Automobil, Kosmetik), eine Methode (z.B. qualitative Forschung, statistische Datenanalyse) oder eine Fragestellung (z.B. Marke, Usability). Das geschieht normalerweise aber auch ganz automatisch, je nachdem, worauf dein Arbeitgeber seine Schwerpunkte gesetzt hat und welche Kunden Du betreust. In der Praxis überschneiden sich die Bereiche übrigens häufig (z.B. quantitative Imageforschung für die Automobilbranche). Dass Du dann vielleicht noch nicht in allen Themen fit bist, sollte dich aber nicht abschrecken. Schließlich hast Du ja die 10% Bereitschaft, dich in neue Fachbereiche einzuarbeiten (s.o.).

Zu guter Letzt gibt es Zukunftswissen, bei dem man aber den richtigen Riecher braucht. Es gibt nämlich Qualifikationen, die vermutlich immer relevanter im Berufsbild des Marktforschers werden und deshalb gerade auf dem Arbeitsmarkt besonders gefragt sind. Im Moment ruhen zum Beispiel viele Hoffnungen auf Data Scientists. So gesehen ist es gerade sicher ein Bonus, wenn Du Programmierkenntnisse in deinem Lebenslauf stehen hast. Doch bei Zukunftswissen ist immer auch Vorsicht geboten – niemand weiß, wo die Reise genau hingeht und welches Thema als nächstes Konjunktur hat. Man sollte deshalb wohl lieber nicht alles auf eine Karte setzen.

Welcher Lernstoff ist also jenseits der Uni wichtig? Das Grundlagenwissen wird überall vorausgesetzt und sollte dir im Rahmen deines Studiums auch ausreichend vermittelt werden. Das Expertenwissen dagegen hängt stark von deinen persönlichen Interessen und Zielen ab und wird sich im Laufe deiner Karriere immer wieder ändern. Mach am besten erst einmal das, was dich gerade interessiert; bleib dabei aber offen für neue Erfahrungen. Erstes Expertenwissen kannst Du dir übrigens sehr gut im Rahmen deiner Abschlussarbeit erarbeiten. Bei Zukunftswissen schließlich gibt es keine Garantie, dass diese Fähigkeiten auch wirklich dauerhaft gebraucht werden. Solche Trendthemen kannst Du deshalb zwar aufmerksam verfolgen und auf deine Gelegenheit warten, aber sie sollten dich auch nicht verrückt machen.

Viel Erfolg in deinem Studium und immer Neugierig bleiben!

Viele Grüße von

Dr. Mafolution

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