Umfrage oder Abstimmung?

0

Folgende Frage erreichte uns kürzlich:

Lieber Dr. Mafolution,

ich habe heute auf marktforschung.de folgende Anzeige gesehen:

Darin bedankt sich HappyThinkingPeople bei allen Teilnehmern der Imagestudie, die das Unternehmen verdient auf Platz 1 bei Qualität und Innovation gewählt haben. Mein Dilemma besteht aber darin: Gibt es nicht einen Unterschied zwischen Abstimmung und Umfrage? Darf man sich bei Umfrageteilnehmern für ein bestimmtes Abstimmungsverhalten bedanken? Müsste man da als Marktforscher nicht sensibler sein? Oder sehe ich das zu eng?

Vielen Dank für deine Antwort!

Hier kommt die Antwort von Dr. Mafolution…

Lieber F.,

Vielen Dank für Deine Nachricht.

Auch wenn wir Marktforscher das Wort „Umfrage“ zu Recht oder zu Unrecht nicht so gerne lesen, weil manche von uns denken, es entwertet unsere Arbeit, Deine Frage ist absolut gerechtfertigt.

Der Unterschied zwischen Abstimmung und Umfrage ist ein feiner, und es würde mich nicht wundern, wenn 20 Leute dazu mit 15 verschiedenen Meinungen zurückkommen würden.

Bei einer Abstimmung geht es in der Regel darum, auf Basis einer Mehrheit eine Entscheidung herbeizuführen. So zum Beispiel wenn alle Zuschauer einer Sportveranstaltung den Spieler des Spiels wählen können, wenn das Lieblingsprodukt der Deutschen gewählt wird, oder früher in der ZDF Hitparade, wenn man anrufen konnte, um seine Zustimmung zu einem weiteren Auftritt der Künstler auszudrücken.

Heute würde man statt Abstimmung vielleicht „Voting“ sagen und dieser Mechanismus ist in der kommerziellen Nutzung beliebt und bewährt, um Engagement zwischen Medien-Formaten und Konsumenten zu schaffen. Denk auch mal an den Eurovision Song Contest oder an DSDS, wo jede Menge „abgestimmt“ wird.

Letztendlich ist auch die Entscheidung der Briten die EU zu verlassen auf Basis von einer Abstimmung gefallen.

In der Regel führt eine Abstimmung dazu, dass es Gewinner und Verlierer gibt. Und noch viel wichtiger, die Motivation zur Teilnahme an einer Abstimmung ist in der Regel, dass man sich aktiv an der Entscheidung beteiligen will mit einem präferierten Ergebnis im Hinterkopf.

Umfragen sind auch in der Lage für Engagement zu sorgen, doch hier kommt das Engagement mehr aus den Ergebnissen als durch den Akt der Teilnahme. Du hast sicher von den Diskussionen in unserer Branche gehört, wie und vor allem mit wem man Umfragen „richtig“ macht. Daran siehst Du, dass man Umfragen auch falsch machen kann. Es bedarf einer längeren Ausbildung bzw. eines Studiums, um Umfragen richtig durchzuführen bzw. zu wissen, worauf man achten muss und was es zu berücksichtigen gilt. Das ist nämlich eine ganze Menge.

Aber nun zum zweiten Teil Deiner Frage, ob man mit sich bei Umfrageteilnehmern für ein bestimmtes Abstimmungsverhalten bedanken darf. Ich finde generell schon, dass man das darf, es ist ja Marketing und was Du zeigst, ist ein Werbemittel einer Firma. Es macht dabei für mich keinen Unterschied, ob es Umfrage oder Abstimmung ist. Es werben ja genug Firmen mit Umfrageergebnissen (z.B. 95% der Nutzer sind zufrieden mit XY, bei 43 von 50 Frauen haben sich die Falten reduziert etc. pp.). Warum also nicht auch mit den Ergebnissen dieser Studie? Ist doch ein toller Erfolg. Und Befragungsteilnehmer nehmen ja auch Ergebnisse von Studien in der Regel dankbar auf.

Das einzige, was ich in diesem Fall anmerken würde – und das ist Dir ja auch ein wenig unangenehm aufgestoßen – ist die Art und Weise, wie das passiert. Streng genommen wird hier den Studienteilnehmern unterstellt, dass sie aktiv für die Firma abgestimmt haben, also im o.g. Sinne eine Entscheidung beeinflussen wollten, dass die Firma in der Kategorie gewinnt. Denn nur dafür könnte man sich streng genommen bedanken. Sauberer wäre es vielleicht, wenn die Firma sich bedankt hätte für ehrliches Feedback zu den Leistungsparametern (das dann dazu geführt hat, dass die Firma im Vergleich zu anderen das Ergebnis erzielen konnte, das sie erzielt hat). Aber wie gesagt, hier geht es um die Copy auf einem Werbemittel also nicht um die Wahrheit an sich…

Viele Grüße von

Dr. Mafolution

Share

Über den Autor

Marktforschung mit Leidenschaft mit jeder Menge Erfahrung wie Research für Marketing, Strategie und R&D nutzbar gemacht wird

Darauf antworten