Monitoring @Hochschule: #OMG! #Hadeb

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3 Mafo-Studentinnen der Hochschule Pforzheim haben sich mit dem Thema Liebe auseinandergesetzt. Nein, es geht nicht um I love Mafo, sondern um die Frage, ob es Liebe auf den ersten Blick gibt und um noch einen Schritt weiter zu gehen, ob eine „Hochzeit auf den ersten Blick“ funktionieren kann. Klara Kuhn, Christina Schäffer und Kathrin Steininger haben das SAT.1 Experiment und vor allem die Reaktionen im Social Web untersucht. Die Studentinnen haben im Rahmen einer Vorlesung ein Monitoringtool getestet und die Fernsehsendung damit gemonitored.

 

#OMG! #Hadeb
– Was das Social Web zur TV-Show
„Hochzeit auf den ersten Blick“ zu sagen hat

Ganz dem Motto „Liebe auf den ersten Blick“ folgend entwickelte der TV-Sender SAT.1 eine Show mit dem Titel „Hochzeit auf den ersten Blick“, die im Herbst 2014 erstmals ausgestrahlt wurde. Welche Reaktionen die Show im sozialen Web auslöste, untersuchten wir mit Hilfe eines Social Media Monitoring Tools.

Die TV-Show „Hochzeit auf den ersten Blick“ beruht auf dem Konzept, dass zwei Menschen, die vorab durch Experten in mehrstufigen Tests (unter anderem Psychotests und Gentests) „gematcht“ wurden, heiraten, ohne sich vorher jemals gesehen zu haben.

Durch das Social Media Monitoring kann analysiert werden wie und in welchen (sozialen) Medien das Thema thematisiert, wie häufig und mit welcher Tonalität über Hadeb im Web diskutiert wird und wer die größten Meinungsbildner sind. Zudem ist ersichtlich, wie sich der Buzz-Verlauf im Laufe der Zeit und in Abhängigkeit von den Ausstrahlungszeitpunkten der einzelnen Folgen der Show verändert.

Hier einige spannende Facts der Social Media Analyse:

Der Buzz-Verlauf kann einen schnellen Überblick darüber geben, wie viele Kommentare zu welchem Zeitpunkt in einem einstellbaren Zeitfenster zum Thema generiert wurden.
Betrachtet man den Buzz-Verlauf zum Thema „Hochzeit auf den ersten Blick“, ist zu erkennen, dass zum Zeitpunkt und kurz nach jedem der fünf Ausstrahlungstermine (mit einigen Abstrichen bei der ersten Folge) ein deutlicher Peak (2585 Treffer an 5 einzelnen Tagen) erkennbar ist. Zwischen den Peaks sowie nach der letzten Folge fand offensichtlich nur eine geringe Aktivierung in den Social Media statt. (insgesamt 1370 Treffer über die restlichen 32 Tage des Messzeitraumes). Zum einen gibt uns das einen deutlichen Hinweis darauf, wie Social Media Marketing und Engagement abzulaufen hat. Wenn ein Sender Social TV ernst nimmt, dann müssen die Ressourcen bereit gestellt werden, die Zielgruppe im bevorzugten Kanal im relevanten Zeitfenster mit Content zu versorgen. Zum anderen bedeutet dies, dass das Sat.1-Format es nicht geschafft hat, konstant über einen längeren Zeitraum hinweg tatsächlich zu Mentions und Diskussionen im Social Web zu führen. #Hadeb wurde nur in bestimmten Phasen diskutiert. Die Frage, die sich uns stellt: War das Thema doch nicht so provokant, um beispielsweise konstant in den Sozialen Medien thematisiert zu werden?

Betrachtet man die Quellenart, so ist zu erkennen, dass der Content zum Thema „Hochzeit auf den ersten Blick“ im Ausstrahlungszeitraum vorranging durch „Twitter“ generiert wird: mehr als 65 % Anteil an der Gesamtanzahl aller Treffer (Gesamtanzahl Treffer: ca. 4000). Die Posts über Facebook machen einen Anteil von knapp 10 % aus, ebenso wie die Posts der Kategorie „Media“. Die Tatsache, dass der Großteil der Kommentare als Kurznachrichten über Twitter und nicht etwa in Blogs oder Foren in Form von längeren Beiträgen verbreitet wurde, kann bedeuten, dass sich ein großer Teil der Zuschauer nicht wirklich tiefgehend mit dem Thema beschäftigt, sondern oftmals lediglich ein kurzes „Och Gott sind die zwei süß #beaundtim #hadeb“ oder „Bei Rico wird aus frisch getraut sicher bald frisch geschieden #hadeb“ in die Community zwitschert.

hadeb buzz

Falls es das Ziel von Sat 1 war, eine große, inhaltliche Gesellschaftsdiskussionen hinsichtlich des Aspektes „heilige Ehe“, „Werteverfall“ und „Tabubruch“ auszulösen, ist das nur teilweise gelungen.

Ganz bleibt die kritische Diskussion jedoch nicht aus. Vor allem das Einmischen der Kirche durch Kardinal Woelki zum Zeitpunkt der Ausstrahlung der zweiten Folge sorgte für große Aufruhr. Woelki sagte sinngemäß, dass das Format die Ehe und die Liebe pervertiere. Er ging noch weiter und betitelte das Format als „abstoßend“ und „geschmacklos“. Diese Aussage wird im Social Web mehrfach kommentiert und rezitiert.

Auch Margot Käßmann, frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, meldete sich diesbezüglich sogar noch vor der TV-Premiere zu Wort: „Die Ehe ist definitiv kein Spaß für eine kurze Fernsehunterhaltung“. Auch sie wird damit mehrfach zitiert.

Ein Grund, der zu einiger Aufregung im Social Web führte, ist die Tatsache, dass eines der Mitglieder des „Experten“-Teams von „Hochzeit auf den ersten Blick“ ein freikirchlicher Pastor ist. Zu seiner Teilnahme an der Serie sagt Martin Dreyer, er sehe nichts Verwerfliches an diesem Fernsehformat. Der Pastor behauptet sogar, selbst in der Bibel würde es keine Liebeheirat geben. „Kuppeln“ sei bei evangelikalen Missionswerken bis ins 20. Jahrhundert die Norm gewesen. Seine Teilnahme kommentiert er verteidigend mit folgender Aussage: „Jede Woche sehen 2,5 Millionen mich im TV und hören meinen Namen. Jeder, der meinen Namen googelt, muss dem Evangelium begegnen.“

Die negativen Kommentare in den Sozialen Medien bezüglich der Teilnahme Dreyers an der Show sind vor allem durch die scharfe Kritik, die der katholische Theologe Johannes Hartl dahingehend ausübt, begründet.

Im Fall von Hadeb lässt sich anhand der Social Media Daten erkennen, dass Influencer, die auch in der nicht-digitalen Welt einen Einfluss oder einen bestimmten sozialen Status und eine Öffentlichkeit haben, den Buzz in der digitalen Welt befeuern. Auch die kritische Berichterstattung sorgt für mehr Aufmerksamkeit im Social Web, löst aber keine gesellschaftliche Debatte aus, wie z.B. der berühmte #Aufschrei.

Im Großen und Ganzen sind die Kommentare, die durch die Statements der Kirche ausgelöst wurden, weder kritischer noch besonders zustimmender Art – sie sind neutral, wie auch ein Großteil der sonstigen Kommentare in den Sozialen Medien zu diesem Thema. So beschäftigt sich eine Vielzahl der Kommentare mit sachlichen Ereignissen der Show, wie zum Beispiel der (vorhersehbaren) Scheidung einer der spontan geschlossenen Ehen, was die Sensationslust oder eine Art von Voyeurismus einiger Medien und User auf den Plan ruft. So schreibt die Tageszeitung Augsburger Allgemeine: „Hochzeit auf den ersten Blick. Sat.1: Das war wohl nichts: Auf die Blind-Date-Hochzeit folgt die Scheidung“. Und eine private Twitter-Userin hat dazu zu sagen: „Oh Gott noch eine Scheidung. Nun bei Steffi & Pierre #HadeB“.

Fazit: Im Vorfeld und zu Beginn der Staffel löst Hadeb meist negative Reaktionen aus. Hadeb ist befremdlich und wird als bizarres Experiment beschrieben. Dann teilt sich die Weböffentlichkeit in 3 Gruppen.

Fans, die neugierig und fasziniert sind: Eine Twitter-Userin bringt es auf den Punkt: „Hat jemand Mal „Hochzeit auf den ersten Blick“ geguckt?! ALTER. So verrückt aber auch mega lustig & schön zugleich! Müsst ihr mal gucken.“

Kritiker, die meist aus einem kirchlichen Kontext stammen.

„Hater“, die sich über die Serie, aber auch die Menschen lustig machen und sich oft abfällig darüber äußern.

Nach den Einschaltquoten zu urteilen (im Schnitt 13,3 % Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen; 2,4 Mio. Zuschauer insgesamt pro Folge, davon etwas mehr als die Hälfte zwischen 14 und 49 Jahren), gelang es dem Format doch, eine gewisse Anziehungskraft auf das -vor allem jüngere- Publikum auszuüben.

Methodisch gesehen, sind Fernsehmacher und deren PR Abteilungen oder Redaktionen in der Lage, die Reaktionen auf ihre Sendungen in Echtzeit zu messen und zu evaluieren. Mit Hilfe des Monitoringtools konnten Reaktionen direkt und in Echtzeit gemessen und ausgewertet werden. Außerdem bietet das Monitoring die Möglichkeit einer Gesamtschau, also eine Bewertung über eine Staffel hinweg.

Eine große Herausforderung ist sicher, wie man diese Ergebnisse sinnvoll einsetzt und welche Schlüsse man daraus zieht. Gerade bei abgedrehten Staffeln hat man keine Möglichkeit inhaltlich einzugreifen und etwas zu verändern, da bleibt vor allem die Möglichkeit der Evaluation und der Steuerung der Kommunikation und des Marketings.

 

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