Auslaufmodell Mafo-Praktikum?

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Der Koalitionsvertrag steht endlich, und darin der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 €. Doch solange das SPD-Mitgliedervotum offen ist, muss das nichts heißen! Und so wird in den kommenden Wochen heiß diskutiert werden: Stimmung machen – für oder gegen die Große Koalition. Nochmal Einfluss nehmen auf die Meinung der SPD-Mitglieder, die es nun für Deutschland in der Hand haben.

Und so stand gestern auch ganz unbedarft in der W&V: Praktikanten könnten Anspruch auf Mindestlohn bekommen.

Damit könnten Praktikanten in Zukunft bei einer 40-Stunden-Woche auf ein Gehalt von mindestens 1360 Euro im Monat kommen. In Arbeitgeberkreisen macht sich deshalb angeblich bereits große Besorgnis breit.

Natürlich wäre die Marktforschung davon betroffen. Auch hier kommen häufig Praktikanten zu Einsatz, zum Teil unbezahlt. Immerhin die Praktikumsbörse der mafolution setzt voraus, dass die inserierten Jobs bezahlt werden. Doch können wir uns das in Zukunft noch leisten?

Sollten wir uns das in Zukunft leisten? Vielleicht erst recht! Oder beschäftigen wir in Zukunft nur noch Aushilfskräfte auf Stundenbasis? Steigen einfach die fachlichen Voraussetzungen für ein Praktikum – nur noch die besten werden genommen? Und was bedeutet das für die Studenten, die einmal in die Branche schnuppern wollen? Geht uns bald der Nachwuchs aus – oder bekommen wir gerade jetzt die klügsten Köpfe?

Was denkt ihr? Was wird sich für die Marktforschung ändern? Eure Meinungen wie immer in die Kommentare…

Ein Mindestlohn von 8,50 € hätte in Summe...

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3 Kommentare

  1. Moin Florian.

    Interessant, man denkt immer, dass das einen gar nicht so betrifft.

    Die Frage für mich ist, inwieweit ein Mindestlohn (sollte es denn alles so kommen) die ausgehandelte „Win-Win-Situation“ zwischen Praktikanten und Praktikumsgebern auflöst, umdeutet oder für eine Neuverhandlung sorgt. Ich kann mir schon vorstellen, dass der Auswahlprozess der Unternehmen schärfer wird, wenn die damit verbundenen Kosten höher sind und das Risiko einer „Fehlbesetzung“ steigt.
    Vermutlich müsste man da auch die Unis und FHs ins Boot holen, wenn deren Studienordnungen Pflichtpraktika vorsehen, aber der Zugang zu diesen Praktika limitierter wird?

    Im positivsten Fall würde ein Mindestlohn für Praktikanten zu einer Aufwertung des Praktikums selber führen, da das Invest in die Praktikums-Ausbildung dann höher ist. Vielleicht nehmen Betreuungsintensität vor, während und nach dem Praktikum zu, Nachverfolgung des weiteren universitären Lebensweg der Praktikanten nehmen zu etc. pp.

    Letztendlich begrüße ich, wenn unbezahlte Praktika der Vergangenheit angehören. Wenn wir für eine durchschnittliche Zeit von sechs Monaten Praktikanten mit der außeruniversitären Welt der Marktforschung vertraut machen, dann leisten sie Arbeit, die bezahlt werden muss.
    Oft ist es ja auch so, dass die jungen Menschen aus einer anderen Stadt kommen und die Lebenshaltungskosten bestreiten müssen. Wir haben z.B. gerade einen Praktikanten aus Pforzheim hier in Hamburg.

    Grüße
    Christian

  2. Florian Tress am

    Hallo Christian,

    jetzt habe ich nur Fragen gestellt, aber keine eigenen Antworten gegeben. Hole ich schnell nach… 🙂

    Bezahlte Praktika sind für mich auch eine Selbstverständlichkeit, insb. wenn es sich um Fach- und keine Schnupperpraktika handelt. Und ich kann mir auch vorstellen, dass mit dem Mindestlohn vor allem studienbegleitende Praktika immer schwieriger zu bekommen sein werden.

    Auf der anderen Seite nimmt aber vielleicht das Modell „Über ein Praktikum zum Berufseinstieg“ stark zu. Die Arbeitgeber hätten eine günstige Möglichkeit, die Praxistauglichkeit der Bewerber festzustellen und die Kosten der Einarbeitung zu senken, während die Praktikanten eine sichere Aufwandsentschädigung und das Interesse des Arbeitgebers hätten, die Praktikanten später auch zu übernehmen, damit sich die „Ausbildungskosten“ des Praktikums amortisieren. Insofern würde sich die Ausbildungsqualität vielleicht sogar eher verbessern.

    Schwierige Frage, nur eine Einschätzung meinerseits…

    Viele Grüße,
    Flo