Prism – und was es für die Marktforschung bedeutet

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Die neuesten Nachrichten über das Überwachungsprogramm PRISM und die Praktiken der NSA haben eine Menge an Diskussionen hervorgerufen: Zurecht!

Das Thema Datensicherheit und der Umgang mit persönlichen Daten erscheint komplett in Frage gestellt. Und damit auch die Glaubwürdigkeit der ‚großen‘ Netzprovider und datensammelnden internetrelevanten Unternehmen wie Google, Apple, Facebook und wie sie nicht alle heißen. Natürlich distanzieren sich jetzt alle die es betrifft von den Überwachungspraktiken, von denen man nichts gewusst habe. Aber das ist halbherzig, da die gesetzlichen Möglichkeiten zur Überwachung bereits recht groß sind. Der Patriots Act in den USA legt vor, dass Richter von einer Telefon- und Internetüberwachung zwar informiert werden müssen, sie jedoch keine Kontrollinstanz sondern verpflichtet sind, entsprechende Aktionen zu genehmigen – nichts anderes als ein Freibrief zur Überwachung. US-Behörden wie CIA, NSA oder FBI haben ausserdem auch ohne richterliche Anordnung Zugriff auf die Server von US-Unternehmen sowie deren Tochtergesellschaften im Ausland, auch wenn dabei nationale Gesetze umgangen werden. All dies ist nicht neu und die Bestimmungen in dieser Form spätestens seit 2006 auch in Kraft (http://en.wikipedia.org/wiki/Patriot_Act).

 

Eigentlich geht es aber noch viel weiter: um das Internet an sich. Es ist eine Illusion, wenn man glaubt, dass private Daten im Internet wirklich privat sind und bleiben.

 

Dass man irgendwann an diesen Punkt kommen würde, war abzusehen, wurde aber allzu gerne auch (bewusst) übersehen. Im Netz liegen unendlich viele Informationen über jeden (im Internet aktiven) Einzelnen vor. Je mehr wir uns im Netz bewegen, desto präziser die Profile. Big Data. Diese Daten sind vorhanden, d.h. sie könnten jederzeit genutzt werden.

Je mehr die großen Netzprovider wissen und an Informationen über uns speichern, umso mehr machen sie in der Konsequenz auch der Marktforschung direkt Konkurrenz, so dass es durchaus legitim erscheint zu fragen, wie denn die Marktforschung in 20 Jahren aussieht, wenn sich das Leben von uns allen überwiegend im Netz spiegelt. Google z.B. kann bereits jetzt den Erfolg von Kinofilmen mit seinen Mitteln voraussagen und sagt selbst, dass es mit dieser Art von Prognosen erst am Anfang steht (http://www.zdnet.de/88157536/google-sagt-erfolg-von-filmen-voraus/). Es ist nicht weit zu der Vorstellung, dass auf diese Art auch der Erfolg von Produkten vorausgesagt werden kann (und ja auch schon wird). Für Unternehmen kann es von daher durchaus interessant sein, sich in Zukunft bei Produkteinführungen mehr auf Google anstatt auf Marktforscher zu verlassen.

Ein von mehreren Gründen, warum ich niemals raten würde, Marktforschungsprojekte mit Hilfe oder über Facebook oder andere soziale Netzwerke durchzuführen und genauso als Unternehmen vorsichtig mit Aktivitäten auf und über soziale Netzwerke wäre. Auch wenn man sich auch hier wieder einer gewissen Illusion hingibt.

In diesen Bereich gehört auch ein Aspekt, der zentral ist, aber oft unterschätzt wird: nämlich die Frage, wem denn Daten, die über irgendwelche Server ‚transportiert‘ bzw. dort gespeichert werden, im Endeffekt gehören und wie exklusiv die Rechte an diesen Daten sind; unabhängig davon, wie und ob sie genutzt werden. Dabei geht es noch nicht einmal um die Daten, die sich aus dem Profil einer Person und der Art und Weise, wie sie sich im Internet bewegt ergeben, sondern viel banaler um Online-Studien die z.B. über Google oder Facebook abgewickelt werden. Wer garantiert, dass das gewonnene Wissen exklusiv nur von dem genutzt werden darf, der die Studie durchgeführt hat? Wie könnte man – kann man überhaupt? – sicherstellen, dass die Ergebnisse von durchgeführten Studien nicht auch anderweitig ausgewertet und genutzt wird (durch den Provider)?

Ähnliches gilt für Blogs und die Rechte an deren Inhalten. Deswegen: je mehr man unter eigener Kontrolle hat, desto besser und sicherer für die ‚eigenen‘ Inhalte (dazu passt die Meldung über den Umgang von MySpace mit den Blogs seiner ‚alten‘ Nutzer – diese wurden nämlich einfach gelöscht, ohne die Möglichkeit, die vorher herunterladen und archivieren zu können http://techcrunch.com/2013/06/12/bring-the-blogs-back/ ).

Für den Marktforscher ist es wichtig, seine Souveränität zu behalten, unabhängig zu sein und unabhängig zu bleiben.

Als Marktforscher müssen wir in Zukunft noch intensiver auf dieses sensible Thema eingehen, weil Qualität und Glaubwürdigkeit von Ergebnissen von der ehrlichen Teilnahme an Studien abhängt. Wenn, so könnte man jetzt fragen, Verbraucher verunsichert sind, wie ehrlich sind sie dann mit dem was sie schreiben und wie valide können dann online erhobene Untersuchungen sein? Daraus abgeleitet liesse sich auch die Frage stellen, ob der Stellenwert von persönlichen face-to-face Interviews in der derzeitigen Methodendiskussion nicht etwas unterbewertet wird.

Eine wirkliche Vertraulichkeit von übermittelten Daten zu garantieren und die oben bereits beschriebene Unabhängigkeit zu vermitteln, ist deshalb für die Zukunft umso mehr oberstes Gebot: glaubhaftes Handeln und ein gewissenhafter Umgang mit persönlichen Daten. Das ist mehr als zu versichern, dass die Daten keinen Dritten weitergeleitet oder zur Verfügung gestellt wird, sondern eher so etwas wie eine Art Kennzeichnungspflicht, wie man sie von Lebensmitteln kennt: wo, woher, wohin, wie.

Das ist die eine, die öffentliche Seite. Dann gibt es die andere,  wenn man einen Blick in die sozialen Netzwerke dieser Welt wirft und sieht, wie offen und unbedarft mit privaten Daten umgegangen wird. Was ist also von dem öffentlichen Aufschrei zu halten? Kümmert die Leute die Sicherheit ihrer Daten wirklich?

Es ist schon ein seltsam paradoxes Phänomen, welches sich hier auftut…

Fortsetzung folgt … sicher.

 

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