Neuer Wein in alten Schläuchen

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Dieser Beitrag ist zuerst erschienen am 2.5. bei olympiamilano.de mit bereits einigen interessanten Kommentaren von Alper und Florian…

Okay, es ist wie es ist, die Zeiten waren schon mal besser für die Marktforschung, oder? Natürlich kann es sein, dass man sich früher eher und mehr hinter verschlossenen Türen Luft gemacht hat und dies nun mehr und mehr öffentlich passiert (unter Marktforschungsmenschen zugegeben immer noch sehr zart und vereinzelt). Aber ob nun Krise oder nicht oder was auch immer, es kommt auf jeden Fall eine öffentliche (Online)Diskussion in Gange, die mir zeigt, dass einiges in Bewegung ist.

Für mich klingt vieles so, als wären wir Marktforscher auf der Suche nach unserer (verloren gegangen geglaubten) Identität. Wir fühlen uns nicht mehr richtig – geschweige denn gut – verstanden, hadern mit dem Erfolg der DIY-Tools, haben das Gefühl bei Big Data und Social Media nur die zweite Geige zu spielen und überhaupt war früher alles besser…

Das ist Quatsch! Und selbst wenn es kein Quatsch ist, was hilft es?

Schaut man sich an, wie auf die veränderten Rahmenbedingungen reagiert wird, so nimmt man eine Mischung im Dreieck wahr aus „das gleiche wie früher – es heißt jetzt aber anders (alter Wein in neuen Schläuchen)“, „es wird schon werden, das geht vorbei“ und „was wir nicht selber machen können, aber interessant klingt, wird gekauft“ (für die Über-Vereinfachung an dieser Stelle schon mal Entschuldigung).

Florian hat im letzten Beitrag auf der mafolution sinngemäß geschrieben, dass der Markt  der Marktforschung sich ausdifferenziert, weil er wächst.

Das Gegenteil ist sicher auch eine Hypothese wert, nämlich, dass der Markt (noch) wächst, weil er sich ausdifferenziert. Das würde bedeuten, dass ein Teil des Wachstums von solchen Mitstreitern kommt, die sich sehr spitz oder am Rande des Marktforschungsuniversums positioniert haben.  Das bedeutet aber auch, dass sich ein genauer Blick lohnt, wer da genau mitmischt.

Denn es scheint ja so, als ob die Kategorie „Marktforschung“ sich einer neuen, aber zumindest erweiterten Definition unterzieht, ob sie will oder nicht.

Aber wo verlaufen die Linien zwischen von alt und neu?

Wo sind die Übergänge?

Was braucht man noch und was muss man haben?

Mal ehrlich, wer nimmt denn diese Ausdifferenzierung des Marktes inhaltlich produktiv an? Die Marktforschung? Eher nicht, sie fällt zurück auf die Verhaltensweisen wie oben beschrieben, Unechtes Relaunching, Stillhalten oder Beteiligung…

Ich weiß es heute auch noch nicht, aber ist es nicht Zeit für ein Reininvestieren in neue Fähigkeiten, Technologien und Wissen jenseits von Primär- und Sekundär-Forschung, jenseits von Prozessen, die lange dauern zumindest länger als nötig? Damit meine ich gar nicht Geld oder Anteile, ich meine Investieren in die Bereitschaft den Horizont zu erweitern, zu lernen, auszuprobieren, Partnerschaften mit Parteien außerhalb oder am Rande der Branche einzugehen etc.

Die Ausdifferenzierung geht weiter. Selbst wenn man in Deutschland darüber reden würde, ist es m.E. auch mit #nextgenMR oder #mrx  nicht getan. Zu oberflächlich, zu PR-lastig, zu vertriebsgesteuert und zu wenig inhaltlich.

Also mal umgekehrt gedacht (soll ja manchmal helfen): Warum nicht neuen Wein in die alten Marktforschungsschläuche füllen, neue Ideen, neue Konzepte, neue Potenziale, neue Qualität.

Einige werden diesen Weg mitgehen oder haben schon begonnen, andere werden dies nicht tun. Am Ende gibt es dann zwei Arten, eine Marktforschung, die dabei hilft, die Vergangenheit auszuzählen und eine Marktforschung, die die Zukunft mitgestalten kann.

Heute heißen aber beide noch „Marktforschung“.  Auch das wird vermutlich nicht so bleiben…

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Über den Autor

Marktforschung mit Leidenschaft mit jeder Menge Erfahrung wie Research für Marketing, Strategie und R&D nutzbar gemacht wird

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