„Man ist immer online, sogar wenn man offline ist!“

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Christoph Irmer ist Geschäftsführer der ODC Services GmbH und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Online-Forschung DGOF. In unserem Kurzinterview gibt über die Rolle der Onlineforschung in Krisenzeiten Auskunft.

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Das Thema unserer Blogparade lautet „Marktforschung in der Krise“ und eine Frage ist, ob Marktforschung von Krisen nicht auch profitieren kann. Panelforschung ist im Vergleich zu anderen Methoden vergleichsweise kostengünstig. Wird Onlineforschung in Krisenzeiten dadurch nicht attraktiver?

Auf der einen Seite stimmt das sicherlich. Die niedrigen Kosten, aber auch die hohe Flexibilität für unterschiedlichste Vorhaben machen Onlineinterviews attraktiver. Auf der anderen Seite kann man den Erfolg von Onlineforschung sicher nicht einfach nur auf Krisen zurückführen, schließlich bietet das Internet ganz andere Vorteile. Das Internet ist als Medium omnipräsent; mobile Endgeräte oder soziale Medien machen es zu einem integralen Bestandteil des Lebens. Fast möchte man sagen: Man ist immer online, sogar wenn man offline ist! Diese lebensnahe Dimension des Internets verleiht Onlineforschung eine herausragende Bedeutung im Methodenmix, ganz ohne Krisen.

Wie stellt sich diese Situation bei anderen Methoden, etwa qualitativer Onlineforschung oder Social Media Research dar?

Im Ergebnis gleich, wobei der Fall hier anders gelagert ist. Qualitative Forschung lebt häufig von einem tiefgehenden Austausch zwischen dem Moderator und den Teilnehmern, z.B. nachhaken zu können, wenn etwas unklar ist. Dabei spielen Sprache, Wahrnehmung oder Gestik eine große Rolle, d.h. die ganzheitliche und wechselseitige Erlebbarkeit der Teilnehmer. Das ist online noch nicht immer so gut abbildbar wie offline, auch wenn es hier im Moment große Fortschritte gibt. Gleichzeitig hat man bei qualitativer Onlineforschung aber auch eigene Vorteile, etwa die Ungebundenheit von Orten, niedrigere Kosten oder alltagsbegleitende Studienformate.  Kurz: Qualitative Onlineforschung konkurriert nicht wirklich mit der qualitativen Offlineforschung, hier hat man eigenständige Einsatzgebiete. Deshalb spielen Krisen auch hier nicht unbedingt die entscheidende Rolle für den Erfolg.

Welche Rolle spielen Innovationen in Krisenzeiten und was tut sich da gerade in der Onlineforschung?

Das ist eine spannende Frage! Wenn es eng wird, zieht sich sicherlich ein Gros der Unternehmen auf die eigenen Stärken zurück, ganz nach dem Motto: „Nur nichts wagen“ bzw. „Schuster, bleib bei deinen Leisten!“ Und genau deshalb sind Krisen eigentlich eine prima Gelegenheit für Innovatoren. Hier eröffnet sich plötzlich die Chance, dass man sich mit Innovationen einen Wettbewerbsvorteil erarbeiten kann – natürlich nur, solange die Innovation auch sinnvoll ist. Die Onlineforschung kann das sicherlich auf ganz unterschiedliche Weisen unterstützen und viele Ideen möglich machen.

Was können wir uns von der GOR  Konferenz erwarten, die vom 4. – 6. März in Mannheim stattfindet? Und inwiefern rüstet ein Besuch auf der GOR vielleicht für Krisenzeiten?

Die GOR wird auch dieses Jahr eine große Bühne für richtungsweisende Impulse und Ideen aus der akademischen und kommerziellen Forschung sein. Ich freue mich außerdem schon auf die spannenden Keynotes und Paneldiskussionen. Schließlich können wir dieses Jahr durch den Konferenzpartner SymanO noch stärker die anwendungsorientierte Forschung  abdecken – wer sich für Krisenzeiten rüsten möchte, wird hier sicher voll auf seine Kosten kommen. Und dann gibt es natürlich noch den inspirierenden, interdisziplinären Austausch im bekannt lockeren GOR-Stil. Also, unbedingt kommen!

Vielen Dank für das Gespräch!

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