Was Berufseinsteiger wissen sollten

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Ich hatte heute das Vergnügen, vor Studenten der LMU München über Marktforschung als Berufsbild zu sprechen. Für mich war das ein persönlicher Höhepunkt des Jahres! Und das nicht nur, weil ich die Gelegenheit genossen habe, wieder einmal meinen alten Hörsaal zu besuchen, sondern vor allem auch, weil man sich selbst einmal Rechenschaft darüber ablegen darf, ob es sich wirklich lohnt Marktforscher zu werden. Und so viel vorweg, ich kann diesen vielseitigen Beruf leichten Herzens weiterempfehlen!

Das Problem liegt aber eigentlich woanders: Bekanntlich haben nur die wenigsten Marktforscher gezielt auf eine Karriere in unserer Branche hingearbeitet – viele unserer klügsten Köpfe sind einfach irgendwie zufällig in diesem Beruf gelandet. Und deshalb ist es gar nicht so leicht zu beantworten, was man konkret tun muss, um ein (guter) Marktforscher zu werden…

Ich möchte einmal einige der Fragen, die ich heute bekommen habe, mit der gesamten Branche teilen:

  • Stimmt das, was wir in der Uni über Forschungsmethoden lernen? Oder läuft das in der Praxis ganz anders?
  • Welche Voraussetzung sollte man mitbringen, um den Berufseinstieg zu schaffen?
  • Wie viel kann ein Marktforscher verdienen? Und welche Fähigkeiten muss man dafür mitbringen?
  • Was müssen Studenten beherzigen, um später einmal gute Marktforscher zu werden?
  • Wie international ist Marktforschung? Und wo muss man sich bewerben, um international arbeiten zu dürfen?

Das wollten die Studenten wissen. Welche sind eure Antworten? Und was sollten Berufseinsteiger noch alles wissen? Gibt es vielleicht noch andere wichtige Fragen, die ich hier vergessen habe?

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Market Research | Sociology | Methods | Out-of-the-box thinking | Blogging

5 Kommentare

  1. Hi Florian, vielen Dank für den Artikel und die Werbetour für unsere Branche 🙂 Ich gebe mal die Fragen an die zukünftigen Kollegen aus Pforzheim weiter, vielleicht können wir weitere Fragen und Themen sammeln und eventuell auch beantworten. Schöne Grüße, Oliver

    • Florian Tress am

      Hallo Oliver, sehr gerne. Ich habe heute einfach einmal versucht, möglichst viele Punkte im Manifest mit einer Klappe zu schlagen! 🙂

      Ich finde es übrigens gerade bei Punkt zwei extrem schwierig, pauschal zu antworten: das hängt ganz davon ab! Unsere Branche ist ein ziemlich bunter Haufen, und zieht sicherlich auch viel Kraft aus ihrer Interdisziplinarität. Worauf kommt es wirklich an? Vielleicht bekomme ich ja hier in den Kommentaren post festum eine Antwort auf diese Frage!

  2. ich finde, das sind genau die richtigen Fragen, und auch genau die falschen zugleich. Vielleicht bin ich zu romantisch, weil ich universitär nicht im Bachelor / Master-Korsett ausgebildet wurde, aber die Fragen gehen mir zu sehr in eine Karriereplanungsrichtung…

    Auf der eine Seite sehr nachvollziehbare Fragen, die ich mir damals auch gestellt habe, aber es fehlt doch etwas. Und das sollte man dem Nachwuchs und den zukünftigen Kollegen (m/w) mit auf den Weg geben.

    Marktforschung ist nicht die „letzte Ausfahrt“, nicht der Zufluchtsort derer, die zu schüchtern fürs Marketing waren. Auch wenn es vielleicht stimmt, dass viele „durch Zufall“ dort gelandet sind, glaube ich nicht, dass sie „zufällig“ dort sind, sondern dass die Marktforschung sie gepackt hat und sie das eventuell so nicht geplant hatten…

    Bei mir wärs ähnlich, ich wollte Lehrer werden und bin über den Grundkurs der empirischen Methoden zur Soziologie und damit zur Marktforschung gekommen. Mit Zufall hat das wenig zu tun, aber mit einer Abweichung von Plänen schon…

    Und das ist auch mein Rat, den ich geben kann: Wer neugierig genug ist und auf der Suche nach Verstehen von Zusammenhängen ist, der ist bei der MaFo m.E. richtig aufgehoben. Wer sich das auch über längere Zeit bewahrt, der wird auch langfristig Spaß im Job haben.

    Dazu gehört Flexibilität und die Bereitschaft sich kontinuierlich zu entwickeln. Ich kenne wenig Berufe, in denen eine konstante Lernbereitschaft so wichtig ist wie in der MaFo.
    Das umfasst auch den Wechsel der Perspektive und damit des Arbeitgebers. Man wird für mehrere Unternehmen tätig sein müssen, um den kompletten methodischen und inhaltlichen Horizont erahnen zu können…

    Aufbauend auf einer guten universitären Ausbildung mit Neugierde und Flexibilität den Einstieg in die MaFo suchen, für sich zu evaluieren, ob es einem dort gefällt, eventuell etwas anderes suchen und stetig mit offenen Augen und Ohren und immer noch neugierig und flexibel durchs Berufsleben gehen… Das scheint mir ein gutes Rezept.

    Geld, internationale Perspektive und Spaß kommen dann von alleine…

    Viele Grüße und schöne Feiertage
    Christian Dössel

  3. Ich glaube ich hätte die Fragen so, oder so ähnlich beantwortet..

    Das was in der Uni beigebracht wird, ist ein sehr gutes Basiswissen und sehr Realitätsnah, auch wenn die vorgestellten Methoden nicht immer Zeitgemäß sind. Das muss es aber auch nicht sein, wenn man die Logik vermitteln möchte. Ich denke es ist das Basiswissen was man braucht um erfolgreich zu sein.
    Was die Realität angeht, ist es zwar nicht viel anders als gelernt, aber jedes Projekt besteht aus einer Mischung aus dem gelernten Wissen, den gemachten Erfahrungen, Logik sowie die derzeitige technische und soziale Entwicklung.

    Persönliche Fähigkeiten wären: Aufgeschlossen sein, alle Themen versuchen unvoreingenommen zu betrachten, sich in andere versetzen können, viele Eventualitäten zulassen.

    Was Marktforscher verdienen.
    Es gibt verschieden Erhebungen darüber, und wenn ich mich nicht irre ging die Spanne von ca. 35.000 – 150.000 Euro im Jahr.

    Guter Marktforscher ist man, denke ich, wenn man die Daten richtig interpretiert und gut beraten kann. Wenn man weiß, was die Daten aussagen sollen, wenn man mit den erhobenen Daten auch tatsächlich Mehrwert bieten kann.

    Man kann sagen die Branche an sich ist sehr international. Fast jedes Marktforschungsinstitut ist auch international tätig, was aber nicht heißt dass alle auch im Ausland eine Vertretung haben.

    Liege ich mit meinen Antworten daneben?

  4. Hallo Florian,

    Danke für diesen schönen Artikel. Ich komme leider erst jetzt dazu ein paar Worte dazu zu schreiben:

    Ehrlich gesagt, kann ich mich an die Uni und die konkreten Inhalte aus dem Studium nicht mehr so wirklich erinnern. Es ist zusammengewachsen zu einem Gemisch aus „Ja, so habe ich das gelernt“ und „Aha, so geht das also!“ Insgesamt finde ich, dass die Inhalte der Universität, vor Allem was die statistische Ausbildung angeht, sehr wichtig und gut gewesen sind.

    Allerdings muss ich hier kurz einhaken: im Gegensatz zu vielen anderen Berufen ist „Marktforscher“ ein riesiger Sammelbegriff für unglaublich viele Tätigkeiten, die man alle oder zum Teil in seinem Berufsalltag benötigt. Je kleiner das Institut ist, desto breiteres Wissen wird benötigt und auch entwickelt. Insofern gebe ich Christian vollkommen Recht, wenn er sagt, dass ein Marktforscher auch verschiedene Arbeitgeber und damit Philosophien kennenlernen sollte.

    Daher sehe ich das Patentrezept für einen erfolgreichen Marktforscher NICHT in seinem Fachwissen, sondern in seiner Persönlichkeit. Begeisterungsfähigkeit und Lernbereitschaft sind zwei meiner Lieblingstugenden bei Bewerbern ohne relevante Berufserfahrung. Ferner achte ich auf Eloquenz, Sympathie, Offenheit, Neugier und Kreativität.
    Allerdings kenne ich auch (sehr gute) Marktforscher, die beispielsweise keinen Kundenkontakt wollen, dort spielen dann Belastbarkeit, Fachwissen, Teamfähigkeit, etc. eine viel größere Rolle. Über die ganzen Spezialisierungen müsste man sich ganz eigene Gedanken machen. Kaum ein Job gleicht dem anderen in unserer Branche. Auch deswegen ist es sehr wichtig für einen Bewerber, sich selbst zu kennen.

    Ich tendiere dazu, Quereinsteigern eine Chance zu geben, denn die Grundkenntnisse der Marktforschung können wir ihnen beibringen. Aber wenn ein Quantenphysiker Parallelen in den Bewegungen von Atomen und den Handlungen von Menschenmassen sieht, ist das ein sehr bereicherndes Element für unsere Branche. Das lernt kein Marktforscher im Alltag.

    Liebe Grüße
    Alper