Das waren unsere Themen 2012 – eine Nachlese

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Oliver hat die bisherigen Besucherzahlen der mafolution ja bereits veröffentlicht – wir können mehr als zufrieden sein, fühlen uns bestätigt und freuen uns deshalb besonders auf das neue Jahr. Ich möchte heute nochmal durch den Blog blättern und nachsehen, welche Diskussionen (aus meiner persönlichen Sicht) bislang besonders relevant waren und wo vielleicht auch noch Diskussionsbedarf besteht. Wenn euch noch andere Themen auf der Seele brennen, dürft ihr natürlich immer gerne als Autor mitmachen… – aber das wisst ihr ja bestimmt schon, oder? In diesem Sinne schon einmal einen guten Start in neue Jahr!

SOCIAL MEDIA FÜR MARKTFORSCHER

Die mafolution hat sich Social Media für Marktforscher auf die Fahnen geschrieben, und in vielen der Diskussionen flackern Fragen nach dem Selbstverständnis dieses jungen Projekts auf. Wie werblich dürfen Beiträge hier sein? Wie objektiv müssen sie sein? Wie viel persönliche Meinung ist erlaubt? Wo ist die Grenze zwischen gezielter Selbstdarstellung und dem unbedarften Teilen von persönlichen Erfahrungen? Wie kann man glaubwürdig aus der eigenen Berufspraxis berichten, ohne reflexartig den Vorwurf zu bekommen, nur etwas verkaufen zu wollen? Was kann man hier überhaupt von sich preisgeben, ohne sich die Chancen bei einer späteren Bewerbung zu nehmen? Ohne vom Arbeitgeber richtig Ärger zu bekommen? Brauchen wir einen eigenen Ethos als Marktforscher im Internet? Und wäre es nicht genau das, was das Manifest leisten möchte?

Viele dieser Fragen wurden nie richtig beantwortet – und wer sollte das auch tun? Stattdessen müssen diese Fragen praktisch gelöst werden, im Klartext: ausdiskutiert und positiv vorgelebt werden. Ich bin mir deshalb ziemlich sicher, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist (und das ist auch gut so). In Form von Artikeln hat vor allem Alper Aslan Pionierarbeit geleistet, während viele der Diskussionen bislang als Offtopic stattfanden -, doch vielleicht möchte hier ja trotzdem mal wieder jemand mit einem eigenen Artikel die Diskussion auf sich ziehen? Kontroversen sind garantiert…

BERUFSEINSTEIGER – UND SOLCHE DIE ES WERDEN WOLLEN

Mehrere Artikel haben sich mit dem Berufsbild Marktforscher beschäftigt – angefangen bei Kerstin Klärs „Mut-Forscher Gesucht“. Die hitzigste Diskussion hat es aber wohl auf „Die Zukunft der Marktforschung und Sorgen um den Nachwuchs“ gegeben – hier sind innerhalb weniger Stunden etliche Kommentare zusammengekommen, die sich mit der Frage beschäftigt haben, welche Kenntnisse ein Absolvent eigentlich mitbringen sollte, um in der Marktforschung durchzustarten. Alles in allem scheint man aber für Marktforscher keinen richtig festen Anforderungskatalog aufstellen können – es lebe die Vielfalt und Interdisziplinarität! Wie aber sollen dann die Unis praxisrelevant ausbilden? Eine überaus spannende Diskussion.

Warum hat diese Frage auf der mafolution viel mehr Raum bekommen, als in der Branche üblich? Ich glaube das liegt vor allem daran, dass soziale Medien ihre Sprecher einfach nicht nach „Ist Marktforscher“ | „Ist kein Marktforscher“ auswählen, sondern prinzipiell jedem die Möglichkeit geben, an der Diskussion teilzunehmen. Welches Interesse und welchen Hintergrund jemand hat, stellt sich immer erst nachträglich raus – in diesem Fall haben viele Studenten zur Diskussion beigetragen. Diese Offenheit sollten wir uns dabei unbedingt beibehalten, denn die Diskussion hat unserer Branche absolut wertvolle Impulse gegeben. Frischer Wind und neue Perspektiven sind bei der mafolution immer herzlich willkommen!

DIE GESELLSCHAFTLICHE ROLLE DER MARKTFORSCHUNG

Ein riesiger Themenkomplex war die gesellschaftliche Rolle der Marktforschung, völlig abgehoben von konkreten Unternehmen und einzelnen Projekten. Am Grundsätzlichsten war hier wohl der Beitrag von Farid Gambar, in dem er auf den Zusammenhang von Meinungsfreiheit und Meinungsforschung hinweist. Doch auch die Fragen, ob Marktforschung „für immer ausgelutschtere Marken sorgt“, oder wie sich Marktforschung von Werbung abgrenzen kann, haben die Gemüter erhitzt.

Nahezu alle Artikel aus diesem Themenbereich wurden intensiv diskutiert; wer hier eine spannende These zur Diskussion stellt, kann sich viele Kommentare erwarten. Der Grund? Vermutlich eignen sich diese Themen besonders gut für die öffentliche Diskussion: jeder in der Branche ist betroffen, Geschäftsbeziehungen spielen keine Rolle, man zieht bei dem Thema an einem Strang. Das macht die Inhalte nicht weniger wichtig – im Gegenteil: vielen Marktforschern dürfte diese offene Diskussion bislang auch einfach gefehlt haben. Sie taucht in der Medien- und Kongresslandschaft zumindest fast nicht auf. Da ist es gut, wenn wir eine wichtige Lücke schließen!

FORSCHUNGSPRAXIS – METHODEN – MÄRKTE

Und damit kommen wir zu einem letzten wichtigen Themenkomplex: konkrete Forschungspraxis, konkrete Methoden, konkrete Märkte. Ich denke hier stellvertretend an König Kunde von Johannes Mirus, Wie viel ist die ungefragte Meinung wert? von Farid Gambar, Warum das Ignorieren von Social Media-Forschung ein Risiko ist… von Christian Dössel oder Pyrrhus-Siege des Banken Marketings von Thomas Perry. Überaus wichtige Themen, die direkt ins Schwarze unseres Arbeitsalltags zielen. Mutige Artikel, weil sie die Deckung aufgeben und echte Probleme auf den Tisch bringen!

Ich glaube das ist auch der eigentliche Grund, warum die Diskussionen hier etwas weniger dynamisch waren. Hier muss man selbst Stellung beziehen! Die Social Media Diskussion ist vielleicht noch nicht so weit, dafür einen verlässlichen Rahmen anbieten zu können – wie gehe ich mit substanzieller Kritik um, wenn ich sie öffentlich äußern möchte oder dazu Stellung beziehen muss? Darf ich aus meinem Arbeitsalltag berichten, oder ist das schon Werbung (s.o.)? Zuletzt sind die Themen natürlich oft auch sehr spezifisch und setzen Fachwissen / eigene Erfahrungen voraus, um mitreden zu können. Trotzdem würde ich mir hier für das neue Jahr mehr dieser mutigen Beiträge bzw. kritische Nachfragen wünschen! Vielleicht ist das ja ein guter Vorsatz für das neue Jahr? 🙂

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Market Research | Sociology | Methods | Out-of-the-box thinking | Blogging

1 Kommentar

  1. Moin Moin zusammen,
    zuerst mal Danke, Florian, für die schöne Zusammenfassung und Reprise zum Jahresausklang. Ich kann für mich persönlich in vielem nur zustimmen.

    Vor allem merkt man hier und dort in der mafolution ein gewisses Maß an Unsicherheit. Unsicherheit darüber, ob man dies und das posten kann (Content), Unsicherheit darüber wie man dies und das posten kann (Tonalität) und Unsicherheit darüber, wie man auf dies und das reagieren kann (Content + Tonalität).

    Ich glaube, es ist bei Social Media für die Marktforschung genauso wie der Start in den Job: Probieren geht über studieren. Oder anders ausgedrückt: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es…“

    Daher möchte ich alle ermutigen: startet mit dem ersten Kommentar, mit dem ersten Artikel.
    Klarnamen sind nicht wichtig. Wer will kann ja den Schutz der Anonymität für sich in Anspruch nehmen.

    Man kann sich sicher nicht für alles interessieren, was hier vorgetragen und diskutiert wird. Und das ist ja auch nicht der Sinn der Sache. Aber es gibt ebenso sicher Bereiche, die einen mehr interessieren, und zu denen man eine Meinung hat.

    Der eine interessiert sich für die Nachwuchsdiskussion, die andere eher für inhaltliche Themen und die nächsten wiederum für die gesellschaftlichen Bedeutungsdimensionen der Marktforschung. Darüber haben wir ja hier seit Ende Oktober schon viel gelesen und gelernt.

    In den letzten 3-4 Jahren hat sich in der Marktforschung so viel verändert, wie vielleicht in den 20 Jahren davor zusammen nicht. Daher es gibt darüber hinaus sicher noch etliche Themen. Die Vielzahl an Perspektiven ist es, die die mafolution so wertvoll macht.

    Euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr 2013!

    Viele Grüße,
    Christian