Was braucht es für eine gelungene mafolution?

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Auf der Research & Results wurde ich gefragt, welche Assoziation mafolution bei mir auslöst? Ich schwankte zwischen Evolution und Revolution.

Aber denken wir doch einmal darüber nach: die Marktforschung hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Es gibt zahlreiche innovative Forschungsansätze und eine völlig neue Art der Vernetzung von Marktforschern auf XING, Twitter, den diversen Verbänden und eben auch hier.

Die Evolution kann folglich nicht das Thema sein. Wir müssen bestehende Dinge nicht nur hinterfragen, sondern auch beginnen, sie radikal umzuwälzen. Revolution!

Alle stimmen zu, dass Marktforschung ‚people business‘ ist, aber trotzdem traut sich kein Institut die eigenen Tools offen zu diskutieren, um die beste Lösung für eine Forschungsfrage zu finden.

Alle Marktforscher sind sich darüber im Klaren, dass wir im ’neuen Normal‘ leben. Alle Menschen sind vernetzt, 24/7 erreichbar, stets mobil, immer informiert und vertrauen dem Wissen der Masse. Es ist an der Zeit zu zeigen, dass wir das nicht nur ‚verstanden‘ haben, sondern Teil dieser Masse sind.

Natürlich können wir über die Rüge für das eine oder andere Institut diskutieren, aber wir sollten uns auch fragen, ob unsere Datenschutzrichtlinien – die nie für Social Media Forschung oder innovative Co-Creation Communities gedacht waren – heute noch zeitgemäß sind.

Ein Mobilfunkanbieter spielt mit dem Gedanken unsere kompletten Bewegungsdaten zu verkaufen, Smartphone Betriebssysteme analysieren unsere Nutzung bis ins letzte Detail, eine Suchmaschine speichert unser Surfverhalten auch gegen unseren Willen – alles geschehen in diesem Jahr – und wir diskutieren darüber ob in einem Codeplan der Code in Spalte A oder B gehört.

So viele Kollegen bezeichnen sich als Querdenker – es ist Zeit zu zeigen, dass dem wirklich so ist. Ferner bin ich überzeugt, dass wir als Branche mehr Quereinsteiger brauchen. Wenn wir immer Marktforscher zu Marktforschern ausbilden, dann bekräftigen wir immerzu altes Gedankengut. Ein Physiker oder Informatiker denkt und löst Probleme ganz anders. Wir sollten stärker branchenfremd einstellen und ausbilden – und unsere Augen und Ohren wie selbstverständlich für Entwicklungen in anderen Branchen offen halten.

Ich freue mich auf eure Kommentare!

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Über den Autor

Markenführung - Employer Branding - Digitalstrategie

2 Kommentare

  1. Lieber Alper, vielen Dank für den kämpferischen Artikel. Aus meiner Sicht hast Du die aktuellen Herausforderungen der Branche sehr gut auf den Punkt gebracht: die Welt bewegt sich schneller als unsere Branche. Und ich glaube auch, dass die notwendigen Anpassungen in Summe einer kleinen Revolution gleichkämen.

    Ich glaube aber nicht, dass es in erster Linie die Vielfalt der fachlichen Kompetenzen ist, an der es der Marktforschung im Moment mangelt. Die Marktforschung ist ja eigentlich eine Branche aus nichts als Quereinsteigern – und das könnte es ja so spannend machen. Stattdessen fehlt es uns aus meiner Sicht an einer offenen Diskussionskultur, wie Du das ja auch beschrieben hast. Irgendwie hat jeder hat Angst, die eigene Deckung aufzugeben und sich eine Blöße zu geben.

    Solch eine neue Diskussionskultur muss man vermutlich einfach positiv vorleben und quasi am eigenen Beispiel nachweisen, dass der offene Austausch fruchtbar ist und sich in der Praxis bewährt. Also doch nur Evolution?

  2. Hallo Alper, hallo Florian,

    der Post ist doch sehr schwungvoll. Und ich mus sagen, dass ich zu- und einstimme.

    Was ich zwischen den Zeilen herauslese und für absolut richtig erachte, ist die Tatsache, dass wir neue Strömungen, verändertes Konsumentenverhalten und drastische Veränderungen auch inunserem eigenen Kommunikationsverhalten immer noch mit einer alten, nicht angepassten Haltung versuchen einzufangen (sowohl inhaltlich als auch erhebungstechnisch).

    Man kann sagen, man macht immer das, was man gut kann und gelernt hat, stimmt. Der „alte Geist“ hat die MaFo über mehrere Jahrzehnte bestimmt.

    Aber jetzt ist es Zeit einzusehen, dass das Überstülpen alter Denke auf neue Phänomene nicht mehr gut genug funktioniert.

    Insofern wäre ich auch eher bei Revolution als bei Evolution…