Marktforschung oder Werbung

18

Am Telefon kommt es auf den Einzelfall an

Immer wieder wird über das Telefon geführte Marktforschung mit Werbung durcheinander gebracht und der Gesetzgeber macht sich nicht die Mühe, grundsätzlich zu entscheiden, wo die Grenze zwischen Werbung und Marktforschung liegt.

Weshalb ist das so?
Zum einen liegt es meiner Meinung nach an der Tatsache, dass einige Marktforscher sich bei der Gestaltung des Fragebogens nicht genug Mühe geben und deshalb die interviewte Person die Marktforschung als eine Art von Werbung wahrnimmt und zum anderen, (wie oben schon erwähnt) dass der Gesetzgeber sich nicht die Mühe macht, grundsätzlich zu formulieren, was Marktforschung von Werbung unterscheidet..

Es gibt immer wieder Organisationen, die sich bei den potenziellen Kunden mit der Überschrift „Marktforschung“ melden, einige Fragen stellen und dann am Ende doch etwas verkaufen möchten. Ihnen ist auch egal, wie die Person auf die Fragen antwortet, ob der Befragende sich an die Vorgehensweise hält oder nicht. Auf diese Fälle möchte ich gar nicht eingehen.

Mir geht es viel mehr darum, dass auch die Marktforschungsinstitute versuchen sollten, sich deutlicher von der Werbung zu unterscheiden. Es nicht damit getan, wenn man am Anfang des Gespräches mit dem Interviewpartner erwähnt, dass es nicht um ein Verkaufsgespräch geht und man nur die Meinung der Person zu bestimmten Themen erfahren möchte. Es braucht noch mehr als das.
Man sollte sich mehr Mühe bei der Gestaltung der Fragestellungen geben. Wird ein- und derselbe Anbieter in einem Fragebogen immer wieder erwähnt, obwohl es gar nicht unbedingt notwendig ist, langweilt es den Befragten, es hält auf und dieser empfindet den Fragebogen als Werbung. Und ein Richter, der darüber zu entscheiden hat, wird diese ständigen Hinweise auf den Anbieter immer wieder gerne als Indiz für die Werbeabsicht werten.

Viel schlimmer wird ist es, wenn die befragte Person etwas nicht wahrgenommen hat und dennoch weitere Fragen dazu gestellt bekommt, weil man sich bei der Gestaltung des Fragebogens nicht die Arbeit gemacht hat, alle Eventualitäten durchzugehen und die Filter korrekt zu setzen.

Ein weiterer Grund dafür, warum Marktforschung als Werbung empfunden wird, liegt darin, dass einige wenige der befragten Person eine Kontaktaufnahme über “moderne Kommunikationsmittel”, wie z.B. das Telefon, als Belästigung ansehen und sich auf § 7 UWG “Unzumutbare Belästigungen” berufen.. Was man dabei schnell vergisst ist die Tatsache, dass dieses Gesetz sich auf die Werbung bezieht und nicht auf die Marktforschung. Weil aber der Gesetzgeber nicht grundsätzlich zwischen Marktforschung und Werbung differenziert hat, wird immer wieder im Einzelfall entschieden.

Wie soll man also vorgehen, wenn ein Anruf aus Marktforschungszwecken bei einer zufällig ausgewählten Person sehr schnell als Belästigung im Sinne von § 7 UWG gesehen werden kann.

Ich denke schon dass die, meisten Menschen in der Bevölkerung sehr wohl zwischen Marktforschung und Werbung unterscheiden können, aber so wie immer, gibt es auch unter den befragten Personen Menschen, die einiges verwechseln, die Werbung und Marktforschung durcheinander bringen und immer wieder versuchen werden, gegen alle anzugehen, egal wer sie anruft und angeben, belästigt worden zu sein.

Share

Über den Autor

Marktforscher Geschäftsleitung nhi² AG Initiator von mindticket.de

18 Kommentare

  1. Hallo Farid Gambar, vielen Dank für den sehr interessanten Beitrag. Mit dem Thema „Fake-Marktforschung“ müssen wir uns ja leider immer wieder auseinandersetzen. Ich persönlich bin bei meiner Art der Arbeit nicht so häufig direkt betroffen, sehe aber durchaus die Probleme. Das ist jetzt keine Empirie, sondern Face Value, aber ich höre durchaus immer wieder eine Reaktion, wenn ich z.B. im privaten Bereich erzähle, was ich mache. Wenn ich sage, dass ich Marktforscher bin, kommt dies: „Ach so, ihr ruft bei mir an, stellt mir ein paar Fragen und danach soll ich ein Abo kaufen.“ Wie gesagt, das ist eine persönliche Anekdote, aber in solchen Situationen, bin ich immer wieder geschockt. Einerseits darüber, dass viele Menschen offensichtlich so wenig über unseren hochspannenden und vielfältigen Beruf wissen und andererseits, welchen Schaden solche Betrügereien unserer Branche zufügen. In solchen Situation frage ich mich dann, ob so etwas wie die Initiative Markt- und Sozialforschung und ihre Radio-Spots der richtige Weg sind, das Image oder die Wahrnehmung der Branche in der Öffentlichkeit zu verbessern, oder ob man nicht knallhart gegen solche Betrügereien vorgehen sollte. Klar, es gibt öffentliche Rügen, aber vielleicht müssen wir da als Branche noch stärker zusammen stehen und uns dagegen wehren. Wie genau, weiß ich auch nicht, aber mich nervt das tierisch. Vielleicht gibt es ja hier noch Meinungen und Ideen dazu. Ich finde, Du hast da einen ganz wichtigen Punkt angesprochen. Danke dafür, Oliver.

  2. Vielen Dank zunächst für den spannenden Artikel!

    Ich finde vor allem die Frage wichtig, warum der Gesetzgeber bislang nicht für mehr Trennschärfe zwischen Werbung und Forschung gesorgt hat? Ich würde vermuten, dass da manche Marktforscher gar nicht so scharf darauf sind – und das nicht, weil sie bei den Befragten Werbung treiben wollen, sondern einfach weil jede Regulierung ein potenzieller Eingriff in die grundsätzliche Forschungsfreiheit ist. Und dann sorgt eine Norm ja auch noch nicht per sé dafür, dass die Leute sich von Anrufen nicht mehr belästigt fühlen, sondern nur für etwas mehr Transparenz.

    Und trotzdem steht natürlich die Frage im Raum, ob eine Regulierung nicht trotzdem notwendig wäre, weil die Marktforschung es ja offensichtlich (noch) nicht schafft, den Unterschied von Forschung und Werbung wirkungsvoll zu vermitteln.

    Ich finde diese Argumente sollte man unbedingt einmal gründlich abwägen!

  3. Da stimme ich zu! Jede Regulierung hat auch negative Seiten.

    Dennoch denke ich, dass es in diesem Fall sinnvoll wäre, Vorteile für unsere Branche bringen und Klarheit schaffen würde. Ich denke, es würde schon viel bringen, wenn es heißen würde, dass eine Kontaktaufnahme aus Marktforschungszwecken, auch ohne Vorankündigung, grundsätzlich nicht mit Werbeanrufen gleichzusetzen ist, keine Belästigung im Sinne von §7 UWG darstellt und für jeden zumutbar ist.

  4. Christian Dössel am

    Interessante Perspektive, Farid, danke dafür.
    Natürlich denkt man ab und zu mal an diese Problematik, aber ich persönlich nicht zu oft (auch wenn ich sollte…)

    Interessant finde ich insbesondere zwei Sachen, über die ich vorher noch nicht so richtig nachgedacht habe.

    1) Sorgfalt bei der Fragebogenstruktururierung / -programmierung, um gegenüber dem Befragten ein maximales Qualitätsniveau zu dokumentieren (übrigens, wer glaubt, diese Problem sei nur auf CATI beschränkt, der hat sich geschnitten). Durch den Respekt, den man dem Befragten gegenüber mit sinnvoller un korrekte Filterführung ausdrückt, distanziert man sich ein Stück von schlampigen Fragebögen, die offensichtlich nur eine Adresse generieren wollen.

    2) Monothematische bzw. auf einen Anbieter fokussierte Befragungen können den Verdacht erwecken, dass diese Marktforschung vordergründig für den Vertrieb einsetzen. Ich bin mir im Moment nicht sicher, wie man darauf reagieren soll…

    Wenn man Kindern den Unterschied beibringen will, dann sagt man vielleicht, dass man immer, wenn persönliche Daten wie Adresse, Telefonnummer oder gar Kontonummer abgefragt werden, auflegen bzw. das Browser-Fenster schließen oder schreiend wegrennen soll…

    Generell finde ich jedoch, dass wir die Verantwortung nicht zu 100% beim Konsumenten abladen dürfen. Einen gemeinsamen Ein- und Ansatz finden wir im Moment sicher nicht, aber wenn wir Untersützung von unseren Kunden hätten (die doch eigentlich auch an einer sauberen Trennung von Vertrieb und Forschung interessiert sein sollten), dann würde ich das begrüßen…

    Grüße
    Christian Dössel

  5. Die Verantwortung können wir sicherlich nicht beim Konsumenten abladen, da die gesamte Branche auf die Antworten der Konsumenten angewiesen ist. Vielmehr müssen wir uns gemeinsam für ein „angenehmes Umfrageerlebnis“ einsetzen.
    Ich meine damit nicht, dass wir Konsumenten bespaßen und für ihre Untehaltung sorgen müssen. Doch sind wir in der Verantwortung das Image der Branche in der Bevölkerung zu verbessern, um uns Befragungswillige für morgen zu sichern.
    Meines Erachtens können wir dazu schon mit ganz einfachen Mitteln beitragen, beispielsweise mit der oben erwähnten sorgfältigen Fragebogengestaltung. Aus Gruppendiskussionen mit unseren Panelisten weiß ich, dass sich Befragte richtig ärgern wenn keine der angebotenen Antwortmöglichkeiten auf ihre Situation passt. Sie werden quasi zum Lügen gezwungen und stellen dann die Sinnhaftigkeit des Interviews in Frage – zu Recht!

    Eine Geschichte aus eigener Erfahrung erzähle ich immer wieder gerne. Wenn ich neue Leute kennen lerne und mich über Berufe austausche, passiert immer das Gleiche. Ich sage „Marktforschung“ und blicke in Gesichter mit einem Ausdruck zwischen freundlicher Abneigung und Mitleid. Und sie nennen ihre Gründe: „Die gehen mir auf die Nerven weil sie immer anrufen“, „Ich antworte am Telefon nie wieder, seit dem sie mir was verkaufen wollten“ usw.
    Die Situation kann ich dann zumindest für mich dadurch retten, dass ich in der Onlinemarktforschung arbeite und wir nur registrierte Personen anschreiben. Aber eigentlich möchte ich so gerne einmal eine positive Reaktion erleben. Ob das in meinem Leben als Marktforscherin noch klappen wird?

  6. Ich möchte die aktuelle Situation hier einmal ganz stark überzeichnen, weil ich glaube, dass dadurch die Mechanismen des Problems deutlich werden:

    „Wenn wir Unterstützung von unseren Kunden hätten, dann würde ich das begrüßen…“ Christian Dössel

    Es findet derzeit aus meiner Sicht ein fundamentaler Wandel in der Branche statt, den man überspitzt wie folgt charakterisieren kann: Full-Service-Institute mit eigenem Feld-Department sterben aus, die Branche differenziert sich in Institute (Auswertung / Beratung) und Felddienstleister. Aufgrund dieser Differenzierung ist ist es den Instituten aber letztlich egal, ob ein Fragebogen den Feldzugang erschwert, – das ist jetzt alleinige Sache der Felddienstleister. Am Ende kommt es ihnen nur darauf an, dass die Datensätze möglichst kostengünstig bereitgestellt werden. Wer trägt nun die Verantwortung?

    „Wir sind in der Verantwortung das Image der Branche in der Bevölkerung zu verbessern, um uns Befragungswillige für morgen zu sichern.“ Steffi

    Ja genau, de facto die Felddienstleister! Ganz egal ob CATI-Studio oder Onlinepanel, das Image der Branche interessiert wohl nur die, die auch mit Befragungsteilnehmern zu tun haben. Die Institute dagegen dürfte das öffentliche Image der Marktforschung nicht weiter kümmern, sie haben ja ohnehin keinen Kontakt mehr zu den Befragungsteilnehmern.

    Alles nur an den Haaren herbeigezogen? Was aber ließe sich daraus lernen, wenn die Beschreibung nur ein bisschen zuträfe? Aus meiner Sicht (1.) dass sich vor allem die Feldinstitute für das öffentliche Image der Marktforschung stark machen müssen und dafür (2.) ihren Auftraggebern auch Grenzen setzen müssen, insb. beim Preiskampf. (3.) Dass sich die Felddienstleister dafür untereinander abstimmen und organisieren müssen und dass das (4.) vielleicht sogar einen eigenen Branchenverband der Feldinstitute nötig macht. Dass man dann (5.) mit einer Stimme für entsprechende Gesetzesinitiativen einstehen könnte – auch um sich selbst vor der ungesunden Nachfrage nach schlechten Fragebögen zu schützen – eine Nachfrage, die bislang als Binnennachfrage der Marktforschung nicht weiter adressiert wurde.

    Wie gesagt, das alles ist eine maßlose Übertreibung, ja eine regelrechte Provokation – insbesondere auf die qualitative Forschung trifft das nicht zu – aber ich finde man kann einen wahren Kern nicht leugnen, oder etwa doch? Ich hoffe auf satten Widerspruch!

  7. Hi Steffi, hi Florian, vielen Dank für Eure Kommentare und Gedanken. Ich bin völlig Steffis Meinung: Wir stehen in der Verantwortung. Und mit „wir“ meine ich jede Einzelne und jeden Einzelnen, die oder der in der Marktforschung oder Sozialforschung tätig ist. Auch Full-Service Institute können den Ball nicht einfach den Feldinstitute zuspielen und sagen: Tja, das ist Eure Sache. Wenn das so ist oder sein wird, wie Du Florian das beschreibst, wäre das vergleichbar mit einem Koch, der sagt: Ich biete meinem Gast ein Gericht an, woher die Zutaten kommen und wie die hergestellt werden, ist mir egal. Das würde die Glaubwürdigkeit und vor allem jeglichen Qualitätsanspruch und somit die Preise völlig zerstören. Trotzdem kann man eine Industrialisierung der Branche beobachten und die geht stark mit einer strikten Arbeitsteilung oder Aufteilung in bestimmte Arbeitsschritte einher. Wenn diese Aufteilung zunimmt, dann besteht auch die Gefahr, dass die Verantwortung für bestimmte Tätigkeiten und Qualitätsstandards an die abgeschoben wird, die diesen speziellen Arbeitsschritt durchführen. Dann könntest Du Florian wiederum richtig liegen und es werden ISO Normen und Subverbände oder Organisationen entstehen, um diese Arbeitsschritte zu normieren und sicher zu stellen, dass Alles den Regeln nach geschieht. Auch dazu gibt es wieder einen Gegentrend, sogenannte Boutique-Institute.
    Sicherlich hilft es einem Full-Service-Marktforscher sehr, wenn er sich auf seine Supplier verlassen kann. Da heisst für mich, egal ob ich ein Teststudio beauftrage oder eine Cati-Studio oder mit einem Online-Panel-Anbieterzusammen arbeite, ich muss ein gewisses Maß an Vertrauen haben, dass die Kollegen das richtig und verantwortungsvoll tun. Das wiederum verlangt mein Kunde von mir und wenn etwas bei meinem Dienstleister schief läuft, stehe ich in der Verantwortung. Es wäre also naiv zu sagen, dass ich diese Verantwortung komplett an einen Dienstleister abdrücken kann.
    Gut gemachte Fragebögen sind das Eine und sicherlich sehr wichtig. Trotzdem möchte ich nochmal die Frage oder das Thema meines ersten Kommentars aufgreifen: Müssen wir nicht stärker gegen Akteure vorgehen, die das Image der Branche wirklich schädigen?
    Schöne Woche, Oliver

  8. Hallo Oliver,

    ich finde das Koch-Bild sehr schön. Vielleicht müssen wir uns auch daran gewöhnen, dass es in unserer Branche alles gibt: Fastfood, DIY und eben Sterneköche. Jeder wird für sich selbst das Einhalten gewisser Qualitätsrichtlinien und -standards beanspruchen; genau das tun die großen Burgerketten („regionale Lieferanten“) oder Hobbyköche („keine Tiefkühlprodukte“) doch auch. Ob das dann (situativ oder grundsätzlich) zur eigenen Ernährung passt, steht auf einem ganz anderen Blatt. Entscheidend ist doch, wie man die einzelnen Qualitätskriterien miteinander vergleichen kann – und genau da sind wir bei deiner Frage: Wer schädigt womit und ab welcher Dosis das Image der Branche? Sicherlich gibt es eindeutig schwarze und eindeutig weiße Schafe in unserer Branche – doch insgesamt dürfte grau in allen Schattierungen überwiegen.

    Damit Du mich nicht falsch verstehst: ich bin absolut dafür, dass klare Verstöße gegen die Standesregeln oder den Datenschutz konsequent verfolgt werden. Ich glaube nur, dass die Branche ihr schlechtes Image meist nur an dramatischen Einzelfällen aufarbeiten versucht und dabei die große Masse der mittelmäßigen Fälle ignoriert, die möglicherweise in viel stärkerem Umfang zu unserem Image beitragen: irrelevante Fragestellungen, lange und monotone Fragebögen, kein Feedback zu den Ergebnissen, etc. So wird jeden Tag das Image unserer Branche geprägt, ganz legal und konform zu unseren Standesregeln. Die Frage für mich ist, was man dagegen tun kann?

    Meine persönliche Antwort darauf ist übrigens nicht – wie ich oben einfach provokativ in den Raum gestellt habe – eine Spaltung der Branche, sondern eine lebhafte Qualitätsdiskussion und mehr Transparenz. Als geeignete Plattform dafür hat sich die mafolution alleine mit diesem Artikel und der anschließenden Diskussion ja bereits qualifiziert, oder? 😉

    Liebe Grüße,
    Flo

  9. MARKTFORSCHUNG ODER WERBUNG: Gerade wir Marktforscher sind ja, wie mehrfach angemerkt, gefragt die Trennung der Bereiche eindeutig zu definieren und offenzulegen.

    Diesen Aufruf möchte ich hier aber auch einmal als Anlass nehmen um auf ein anderes Phänomen einzugehen.

    INFORMATION ODER WERBUNG: Vielleicht sehe ich es etwas kritisch, aber gerade in der Blog- und -Portal-Sphere sind mir in der Vergangenheit häufig Beiträge mit einem fließenden Übergang zwischen INFORMATION, KRITIK und WERBUNG aufgefallen. Von Bloggern aus qualitativen Instituten wird verpackt in einem Branchen-Artikel unterschwellig die Fehlleitung durch quantitative Trackings kritisiert (was im Qual.-Bereich nicht passieren kann), vermehrt erscheinen Interviews als Plattform für Unternehmenspräsentationen oder der ein oder andere Blog-Beitrag scheint eher das Ego des Schreibers als überlegenen Marktforscher mit Weitblick zu bedienen.

    Mir stellt sich die Frage ob eine Mafolution gelingen kann, wenn auch im Hinterkopf die Unternehmensziele, Ego-Pflege oder Anzeigenverkauf im Vordergrund stehen. Oder anders und überspitzt: Sind die Ziele der Mafolution nur Ideale für eine Branche voller Gutmenschen und werden von den ökonomischen Zwängen schnell geschluckt?

    • Hallo Timo,

      ich verstehe dein Misstrauen gegenüber der hier geführten Diskussion. Am offenen Austausch im Netz ist die Branche bislang nämlich immer kläglich gescheitert und eben dieses Scheitern hat viele geprägt und verunsichert. Sind die vielen Kommentare auf der mafolution nur Spiegelfechtereien, steht hinter jeder klugen Idee am Ende nur ein perfides Kalkül? Wo ist der Haken?

      Ich bin allerdings zuversichtlich! Ein dickes Marketingbudget hilft in jedem Fall nicht, um auf der mafolution für sich und seine Ideen zu werben. Hier zählen nur gute Argumente, und wenn Du mit der einen oder anderen Argumentation nicht einverstanden bist, steht es Dir immer frei, in den Kommentaren oder als Gastblogger eine Replik zu hinterlassen. Wenn Deine Argumente besser sind, ist die Werbung schnell entkräftet.

      Ich glaube aber mehr noch: Gerade weil auf der mafolution immer mit öffentlichem Widerspruch zu rechnen ist, legen sich die Leute schon im Vorfeld ins Zeug, um sich nicht zu blamieren. Ich unterstelle deshalb, dass die Inhalte ernst gemeint sind und nicht mit einem werblichen Hintergedanken geschrieben wurden. Ich möchte Dich aber trotzdem in jedem Fall einladen, immer deinen Widerspruch zu äußern, wenn Du mit einem Artikel inhaltlich nicht einverstanden bist. Genau dafür wurde ja das Manifest geschrieben und diese Seite ins Leben gerufen!

      Viele Grüße,
      Flo

  10. Christian Dössel am

    Hallo Timo,

    vielen Dank für den interessanten Kommentar, der nochmal ein ganz anderes „Fass“ aufmacht, wie ich finde.

    Die werblichen Absichten sind manchmal wirklich nur schwer zu überlesen. Aber das ist m.E. auch okay so, wenn es dort passiert, wo Werbung oder PR hingehört.

    Ich denke, es kommt immer darauf an, in welchem Umfeld man sich bewegt. Ein persönliches Blog, auch wenn es thematisch noch so spezifisch ist, ist immer eine persönliche Sache. Die Motivation kommt meistens von ganz innen, da ist etwas, das raus muss und nun kann es, in dem eigenen Blog… „Ego-Pflege“ im positiven Sinne eben … Hier finde ich es enorm wichtig, dass die Meinung so persönlich wie möglich ist, und das man sagen soll, wen und was man gut oder schlecht findet.

    Bei Corporate Blogs gibt es solche und solche. Anhängsel an die Website, um ein vermeintliches Must Have auch zu haben (und nicht zu pflegen), oder eigenständige Blogs, die zwar die Handschrift des Unternehmens haben, dies aber ausschließlich durch die schreibenden Personen erkennbar wird. Sicher ist auch hier werbliches Interesse nicht zu leugnen.

    Und dann sind da die PR-Werkzeuge Online und vor allem auch Offline. Die einst einschlägigen Fachzeitschriften habe ich aufgehört zu lesen. Der Content dort ist mir viel zu werblich.

    Aber die mafolution ist anders. Hier geht es nicht um Werbung und nicht um das Ausleben des Sendungsbewusstseins. Hier geht es einzig und allein um den Austausch. Es geht darum, seine Meinung zu sagen, zu lesen, zu kommentieren und zu diskutieren.

    Oder, um es mit Punkt 4 aus dem mafolution Manifest zu sagen:
    „Konstruktive Kritik und der offene Diskurs sind wichtig, damit wir uns als Branche weiterentwickeln. Dazu trage ich aktiv bei.“

    Ich bin mir sicher, dass der eine oder die andere Gedanken und Ideen, die hier diskutiert werden, auch für die eigenen wirtschaftlichen Zwecke benutzen kann. Wenn das so ist, umso besser.

    Was Besseres kann der mafolution ja nicht passieren. Denn dann hat sie bewiesen, dass sie relevant für den Alltag ist und mehr ist als ein „virtueller Kaffekranz unter Kollegen“ – ganz ohne ökonomische Zwänge und trotzdem lohneswert…

    Schönes Wochenende,
    Christian

  11. Hallo Flo, hallo Chrisitan,

    insgesamt sehe ich es auch durchaus als O.K. an etwas Werbung zu machen. Immerhin ist es auch Zeit die für Beiträge investiert wird, gerade wenn sie auf Unternehmens-Blogs erscheinen. Aber ich sehe es hier wie Christian, dass es kenntlich gemacht werden muss. Hiervor hat der ein oder andere Schreiber wahrscheinlich Bedenken und versucht es etwas im Text zu verschleiern. Aus meiner Sicht der schlechteste Weg!

    Wie Flo aber schon schrieb, setze ich hier auch auf die Mafo-Gemeinde den „Finger in die Wunde“ zu legen.

    Eine Anmerkung noch zu den Print-Fachzeitschriften: Hier sehe ich es etwas anders und finde die Alternative hierzu im Netz, insbesondere deutschsprachig, noch nicht. Hier haben sich für mich einige Mafo-Portale zu stark disqualifiziert durch meine angesprochene zu geringe Trennung von Werbung und Content. International ist man da aus meiner Sicht wesentlich weiter.

    Schönes WE,
    Timo

  12. Hallo Timo, Florian und Christian,
    ehrlich gesagt, verstehe ich diesen Teil der Diskussion nicht ganz oder vielleicht sehe ich das viel pragmatischer. Grundsätzlich ist doch jede Art von Kommunikation, die in einem öffentlichen Raum stattfindet eine Art von Werbung, Selbstinszenierung, Ego-Pflege oder Eigen PR. Oder anders formuliert: Wenn ich mich öffentlich äußere, dann tue ich das doch, weil ich irgendeine Reaktion auslösen, einen Impuls setzen will. Sonst muss ich Briefe an mich selbst schreiben oder Selbstgespräche führen. Ich gehe von mir aus (vielleicht ist das falsch) und schließe zumindest in diesem Fall auch auf andere: Wenn einer von uns einen Blogbeitrag schreibt, einen Tweet twittert, ein Interview gibt oder einen wissenschaftlichen Artikel schreibt, dann ist die Motivation nicht, dass dieser Beitrag ungelesen bleibt. Insofern ist das wohl eine Art Eigenvermarktung. Meiner Meinung ist das vollkommen legitim, denn ich brauche den Beitrag oder das Blog nicht lesen. Wenn Medien diese Art von „Eigenwerbung“ unterbinden wollen, dann werden sie das tun (oder nicht). Ich denke, das wird jede Redaktion mit sich selbst ausmachen und wir als Leser entscheiden, ob wir die Inhalte honorieren und wir als Werbetreibende müssen entscheiden, ob wir in diesem Umfeld werben wollen (oder nicht). Im Manifest steht, dass wir nicht wollen, dass offensichtlich Werbung gemacht wird. Das können und wollen wir hier zumindest offen und transparent diskutieren und somit beeinflussen.
    Auch hier, wird es unterschiedliche Meinungen geben: Ist es Werbung, wenn z.B. ich etwas über das Thema Social Media Forschung schreibe oder ist es einfach ein Thema, das mich interessiert. Ist es Werbung, wenn Christian über Online-Gruppen schreibt oder ist es seine Leidenschaft als Forscher? Ich persönlich kann das in meiner Funktion gar nicht genau trennen, weil ich einerseits die Themen spannend finde, aber natürlich auch die Agentur, für die ich arbeite (und teilweise lebe).
    Letztendlich brauchen wir Reibung und Diskussion. Egal ob sie auf einem Kongress, in der Kneipe, im Hörsaal, in der Präsentation oder hier stattfindet. Und, dass sich jemand gut „verkaufen“ will, nehme ich Keinem krumm. Ob ich es letztendlich gut finde, oder ein Beitrag mich inspiriert oder langweilt, ob es eine Person übertreibt oder nicht mit der Eigenwerbung, das kann und soll man ja hier kommentieren.
    Alper hat ebenfalls in einem Kommentar angemerkt, dass er nicht alle Artikel oder Posts gut findet. Das wird, denke ich noch häufiger passieren und das ist gut so.
    Wenn wir es schaffen, hier interessante und interessierte Menschen zu versammeln, die etwas zu sagen haben und das wiederum andere Menschen zum Nachdenken, Kommentieren, Diskutieren anregt, dann haben wir schon viel gewonnen. Oder, um es auf mich und meine Erwartungen zu beziehen, dann bin ich schon sehr zufrieden mit der mafolution. Ob das klappt und was noch Alles passieren wird, werden wir sehen. Auf jeden Fall ist hier schon Einiges los, es wird kontrovers diskutiert und eifrig kommentiert. Das gefällt mir.
    Deshalb: Vielen Dank an Alle und einen schönen Abend, Oliver

    • Christian Dössel am

      Danke für Deine Sichtweise, Oliver. Ich finde die Diskussion sehr, sehr wichtg. Sie ist btw ein guter Beweis dafür, dass wir als Branche uns gehaltvoll austauschen können, gerne auch kontrovers…

      Ganz so pragmatisch möchte ich für mich mit dem Thema aber doch nicht umgehen, zumindest nicht hier bei der mafolution.

      Natürlich ist es schwer bis unmöglich, PR und Werbung auf der einen und inhaltliche Beiträge auf der anderen streng zu trennen. Das ist auch nicht das Ziel.

      Aber an zwei Beispielen kann ich genau sagen, was ich mir hier nicht wünsche.

      1) Pressmitteilungen: „One-way“-Kommunikation, bei der es in erster Linie um das Ausnutzen von Reichweite für werbliche Zwecke geht, she ich hier nicht. Ich denke, da haben wir auch in Deutschland genug Vermarkter, die für solche Unterfangen besser geeigent sind, als die mafolution Plattform.

      2) Werbliche Artikel über die eigenen Tools, die sich in diesem und jenem Umfeld bewährt haben. Auch hier haben wir – insbesondere Offline – mindens zwei gute Umfelder, bei denen solche „Eigen-PR-Case Studies“ besser aufgehoben sind.

      Für mich ist klar: Bisher ist bei der mafolution noch keine offensichtliche Werbung erschienen, und das soll auch m.E. und im Sinne des Manifests so bleiben.

      Das wird mich jedoch nicht daran hindern, über Online-Gruppen zu schreiben. Aber nicht, weil ich hier sagen will, wie toll wir das können, was das besondere an unserem Ansatz ist, und dass doch alle interessierten Kunden, die Online Qualitativ richtig und gut machen wollen, zu uns kommen sollen.
      Nein, ich will die Reibung (tolles Wort, übrigens), den Austausch und das Feedback der anderen hier haben, weil ich glaube, dass wir IM DIALOG voneinander lernen können.

      Timo äußerte den Gedanken, ob dies etwas für Gutmenschen ist …
      Darüber habe ich ehrlich gesagt noch keinen Moment lang nachgedacht, weil es mir egal ist…

  13. Hallo Zusammen,

    und Danke für diesen Diskussionsstrang. Ich halte dieses Thema für eminent wichtig.

    Oli hat ja bereits angemerkt, dass ich ähnliche Kritik geäußert hatte und das in der Tat nicht so pragmatisch sehe wie er.

    Aber Christian hat es bereits erklärt: ‚es geht immer um Ego-Marketing, wenn man bloggt.‘ Ich möchte das nur fine tunen: wenn wir hier bloggen, sollte es darum gehen, wie wir die Marktforschung voranbringen können. Und nicht bspw. welche Fehler Banken in ihrem Marketing machen – ein Beitrag der meines Erachtens nur Q nützt. Zumindest für die Originalbeiträge sollte das gelten.

    Viele Grüße
    Alper

  14. Sorry, Oli, wenn es sich gerade nur um deine Beiträge dreht…

    Dein Beitrag zur Nachlese der R&R 2012 OHNE Backlink zum Firmenblog wäre mir 1000mal sympathischer gewesen. Natürlich machte er da Sinn. Natürlich ist es eine gute Botschaft, die sagt ‚wir hatten das Thema schon früher.‘ Aber, wie der Franke so schön sagt, dieser Backlink hat ein ‚Gschmäckle.‘ Er führt zu eurer Firmenpräsenz. Wäre es ein Artikel, den Flo geschrieben hat, wäre es die perfekte Ergänzung gewesen. Aber wenn Du das machst…

  15. Hi Alper, ich komme aus dem Badischen, das sagt man auch „Gschmäckle“, insofern weiss ich was das bedeutet. Ich sehe das, wie gesagt etwas anders, habe aber auch kein Problem mich „überstimmen“ zu lassen, wenn das die anderen mafolutionistas sehen wie Du. Wie Dir vielleicht aufgefallen ist, bin ich nur „Co-Autor“ des Beitrages, der übrigens auf mehrere Beiträge verweist. Unter anderem auf mögliche Wettbewerber von Q (Du hast Q explizit gennant, nicht ich). Warum für das „I love Mafo“ Blog andere Regeln gelten sollen als für andere Blogs aus der Mafoszene verstehe ich nicht. Dann müssen wir in Zukunft alle Corporate Blogs oder Corporate Blogger explizit ausschließen.
    Wie gesagt, ich werde das mit den Initiatoren von mafolution offen diskutieren und hier kann jeder seine Meinung dazu sagen und wenn das die anderen ebenfalls so sehen, lasse ich mich gerne überzeugen.
    Wenn wir nur exklusiven Content auf mafolution wollen, dann ist das auch OK, dann müssten wir das eben beschließen.
    Schöne Grüße, Oliver

  16. Pingback: MARKTFORSCHUNG ODER WERBUNG | farigam.de