Krankheiten der Marktforschung

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Ich bin nun seit einiger Zeit in der Marktforschung daheim und stelle immer wieder fest, dass diese Zeit nicht spurlos an mir vorüber gegangen ist. Man wird erfahrener, bei vielen Themen sensibler und verändert deshalb auch langsam seine Einstellung gegenüber manchen Dingen. Meistens empfinde ich das als echte Bereicherung meines Lebens, doch hin und wieder merke ich, dass sich da krankhafte Denkweisen einschleichen, die mir eigentlich gar nicht gefallen.

Baking perfectionists?

Ein Beispiel gefällig? Hin und wieder leide ich unter „Tödlichem Perfektionismus“ – eine schleichende Krankheit, die vielfältige Symptome hat und für einen Marktforscher im schlimmsten Fall tödlich verlaufen kann, indem sie vielleicht sogar einen Berufswechsel notwendig macht.

  • Erste Symptome: Bei Privateinkäufen unweigerlich bemerken, wenn der Kundenservice irgendwo optimiert, die Benutzerfreundlichkeit einer Webseite verbessert oder ein Produkt ansprechender gemacht werden kann. Als Marktforscher weiß man schließlich, was Konsumenten denken und wie es besser geht!
  • Akuter Handungsbedarf: Das unbedarfte Servicepersonal anbluffen oder sogar richtig ausflippen, weil nicht alles ganz perfekt ist. Wütende Mails an den Webmaster schicken, weil man sich auf der Webseite verirrt hat. Sich von einem kleinen Produktfehler richtig aus der Bahn werfen lassen. Wieso gibt es eigentlich so viele Idioten auf dieser Welt?
  • Letales Endstadium: Unternehmen mit minderwertigen Produkten die Pleite wünschen, damit auf dem Markt wieder Platz für starke Anbieter ist. Hier schlägt der Perfektionismus in Darwinismus um. Der Marktforschers ist am Ende so von einer besseren Konsumwelt besessen, dass er den Sinn für die Wirklichkeit verliert.
  • Therapieziele: Unzulänglichkeiten und Schwächen akzeptieren, Demut vor anderen Sicht- und Herangehensweisen, das eigene Wissen und Erleben infrage stellen

Als alter Hypochonder habe ich natürlich unheimlich Angst davor, auch andere Mafo-Krankheiten zu haben. Deshalb meine dringende Frage an Euch: Welche Krankheiten gibt es noch? Woran kann ich sie erkennen? Und wie kann ich mich davor wirkungsvoll schützen? Ich bin auf eure Erfahrungen gespannt!

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf dem Blog Die Forschungsfront veröffentlicht.

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Über den Autor

Market Research | Sociology | Methods | Out-of-the-box thinking | Blogging

2 Kommentare

  1. alperaslan1980 am

    Hi Florian,

    ich hatte – auf der Suche nach einem Kinderwagen – in vier verschiedenen Fachgeschäften vier völlig unterschiedliche Empfehlungen zu meiner Wunschmarke bekommen. Von „völlig überteuert“ zu „qualitativ nicht besser als andere“ zu „das absolute Non-Plus-Ultra“ zu „der Wagen der High-Society.“

    Ich habe mich für eine andere Marke entschieden, aber den Hersteller und seine Wettbewerber anschließend kontaktiert und mein persönliches Empfinden durch eine syndizierte Mystery Shopping Studie bestätigt bekommen.

    Liebe Grüße,
    Alper

    • Hi Alper,
      das ist in der Tat ein sehr schönes Beispiel. Meine Frage ist: wie krank fühlst Du dich jetzt? Als Laie würde ich ja hier nur sehr leichte Anzeichen einer Krankheit diagnostizieren… 😉
      Liebe Grüße,
      Florian