Kann man die Hälfte der Marktforschung wegschmeißen?

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Ungefähr vor zwei Monaten oder so erschien die Anzeige von Grabarz & Partner, bei der sich die Agentur bei ihrem Kunden  EDEKA für die lange Zusammenarbeit bedankte. Ein guter Zug, wenn man den Pitch verliert? Ich finde generell schon.  Aber die Anzeige ist für uns natürlich ein Schlag unter die Gürtellinie gewesen…

Der Titel der Anzeige: “Wie man eine Marke kreiert – eine Anleitung in 15  Schritten”. Aber Sorgen habe ich mir dann schon bei Schritt 5 gemacht: “Ersetze 50% Deines Marktforschungsaufwands durch gesunden Menschenverstand”

Hab ich das richtig gelesen? Und das darf man wirklich sagen?

Wirklich ein Grund zur Sorge, denn so ein Statement aus einer Branche, die eigentlich zu unseren Kunden gehören sollte, erzeugt den Eindruck, dass Marktforschung…

1) nur geringe Fähigkeiten hat beim Aufbau einer Marke zu unterstützen

2) nicht genug Insights zu Tage fördert, weil sie zu oft das herausbekommt, was schon bekannt ist…

Je nachdem, welche Perspektive man innehat, ist dies die reine Wahrheit oder ein unverschämtes MaFo-Bashing.

Aber egal, ob jemand dies nun als richtig oder falsch oder in der Mitte bewertet, die Nachricht selber hat für unsere Branche tiefe Bedeutung.

Warum?

Naja, die Anzeige wurde in einer Marketing-Zeitschrift veröffentlicht und im social web fleißig diskutiert und kommentiert. Und Zielgruppe dieser Magazine sind Marketingentscheider, die zu den Einkäufern von Marktforschung gehören (oder gehören sollten).

Wir sollten mal über unsere Reputation und Positionierung nachdenken, glaube ich. Endlich und ernsthaft…

Ich kann nur sagen, dass ich die besten Projekte hatte, in denen Kunde, Werbeagentur und wir zusammen an Problemstellungen gearbeitet haben. Markterfassung und Marktbearbeitung arbeiten Hand in Hand, jeder ist der “intelligent naive” des jeweils anderen und der Output ist einfach fantastisch. Es sollte eine viel größere Bereitschaft geben, diese Art der “collaboration” zuzulassen (auf beiden Seiten übrigens).

Aber wir sollten auch mal über PR-Maßnahmen nachdenken. Wenn man sich die PR-Maßnahmen der Dienstleister in der Branche anschaut, dann ist das seit Jahren der Versuch, die eigenen Tools zu vermarkten. Keine Spur davon sich als Insight-Partner positionieren zu wollen.

Erkenntnisse sind als Ergebnis wichtiger als methodische Feinheiten, warum also immer noch hinter den Methoden verstecken? Unsere Leistungen an die Zielgruppen wie Beratungen, Werbe- oder Strategieagenturen zu vermarkten, um mehr Sichtbarkeit zu erlangen, bedeutet viel mehr als Pressemitteilungen über neue Methoden zu veröffentlichen.

Die Anforderungen verändern sich sehr schnell, klar. Aber eine Sache ist auch klar: wir sollten mal mehr aus der Perspektive der  Nutzer unserer Leistungen denken, um unsere Leistungen besser zu machen, Methoden zu bewerten und uns selbst noch mehr herauszufordern. Denn wenn wir unsere Fähigkeiten des Perspektivenwechsels weiter entwickeln, werden wir auch besser in der Lage sein, die strategischen und taktischen Möglichkeiten und Mehrwerte von Marktforschung unter Beweis zu stellen.

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Über den Autor

Marktforschung mit Leidenschaft mit jeder Menge Erfahrung wie Research für Marketing, Strategie und R&D nutzbar gemacht wird

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