Die Marktforschung ist wie mein Vater

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In der aktuellen RESEARCH WORLD spricht Betty Adamou über Innovationen in der Marktforschung – ein ausgesprochen lesenswertes Interview! Besonders hat es mir aber dieses Bild angetan, mit dem sie die aktuelle Verfassung der Marktforschung beschreibt:

I view the MR industry as my dad – I love my dad, he’s getting on in years, he’s full of amazing stories, but he won’t get in touch with the modern world and move with the times.

Ja, genau das ist auch meine Wahrnehmung der Branche. Und wenn ich mich so umhöre, geht es vielen Fachkollegen ähnlich. Wir lieben diese Branche, wir sind fasziniert von der Fülle an Erfahrungen und Geschichten, aber irgendwie haben wir mit allem Wohlwollen und Respekt die Hoffnung verloren, dass Marktforschung noch irgendwann einmal zeitgemäß werden könnte. Wie ein Vater eben.

Die wichtigen Fragen sind dabei aber: Wie sieht zeitgemäße Marktforschung überhaupt aus? Wie geht die neue Generation der Marktforscher damit um? Fühlt sie sich verpflichtet, in die alten Fußstapfen zu treten? Wie funktioniert der Ablösungsprozess? Lässt es der Vater denn überhaupt zu, dass sein Sprößling neue Wege einschlägt? Ein sehr schönes und anschauliches Bild: die Marktforschung ist wie mein Vater.

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Market Research | Sociology | Methods | Out-of-the-box thinking | Blogging

2 Kommentare

  1. Ja, das ist sehr wahr. In der öffentlichen Wahrnehmung wird die Leistungsfähigkeit und Attraktivität von Markforschung stark unterschätzt. Die Branche wirkt verstaubt, altbacken. Vielleicht müsste mal ein neuer Name her; Mafo-Leiter kommt für mich vom Sex Appeal gleich hinter Behördenleiter (nicht umsonst benutzen viele den Begriff „research“); auch weil die Branche durch die Feedback-Möglichkeiten des Internets das quasi Informationsmonopol verloren hat und sich deshalb neu aufstellen muss… Wir selbst haben mal den Begriff „Research Based Consultancy“ verwendet. Es gibt bestimmt spannendere und trefferende.

  2. Hallo Antje – Ich erinnere mich, dass Tom de Ruyck auf einer Konferenz einmal davon berichtet hat, dass er an der Uni ein Seminar mit dem Titel „Marktforschung“ angeboten hat. Die geringe Teilnehmerzahl hat ihn schließlich dazu bewogen, den Titel des Seminars co-createn zu lassen – und siehe da, das Seminar wurde zu einem riesigen Erfolg. Die Moral der Anekdote: der Inhalt blieb gleich, der Titel war neu und der Unterschied war spürbar! Deshalb ist es vielleicht wirklich so, dass wir als Branche dringend einen neuen Anstrich brauchen!